Piranesi, Rembrandt der Ruinen

Eine Ausstellung der Casa di Goethe Rom

27.7. - 26.9.2010

Wie sah Rom zu Goethes Zeiten aus? Mit der Ausstellung Piranesi, Rembrandt der Ruinen bereist die Casa di Goethe ein Rom, das es nicht mehr gibt, obwohl vieles auch heute noch Wiedererkennungseffekt hat. Erstmals widmet Deutschlands einziges Museum im Ausland dem berühmten Kupferstecher Giovanni Battista Piranesi (1720-1778) eine Sonderausstellung (17.2. – 17.4.2010) aus eigenen Beständen und stellt damit einen wichtigen Teil seiner Sammlung vor. Im Mittelpunkt steht eine Auswahl von 35 frühen Abzügen aus Piranesis monumentalstem Werk, der Vedute di Roma.

Mit insgesamt 135 Einzelblättern hatte der gelernte Architekt in seiner kühnen und unverwechselbaren Manier die antiken und neueren Sehenswürdigkeiten Roms vorgestellt. Der "Rembrandt der Ruinen" (so Giovanni Ludovico Bianconi 1779 in der Biographie Elogio storico del Cavalier Giambattista Piranesi ) schilderte Monumente wie die Triumphbögen oder die Engelsburg mit einer Leidenschaft, die den unbelebten Dingen eine Seele verlieh. Er nutzte dabei Nah- und Schrägsicht, kräftige Schatten, bewegte Himmel und feinste Tonabstufungen. Der Verfall der alten römischen Bauwerke erleichtert das Einbeziehen in die Landschaft. Bei Piranesi scheinen sie von der Vegetation umhüllt, von phantasmagorischen Figuren belebt und gleichzeitig eingetaucht in Luft und Licht. Ob Piazza del Popolo, Kolosseum, Piazza Navona, Petersplatz... damals wie heute sind Nachdrucke und Kopien der zwischen 1747 und 1778 enstandenen Vedute ein beliebtes Souvenir.

Nach der Veröffentlichung der vierbändigen Ausgabe der Antichtià romane 1756 verbreitet sich Piranesis Ruhm schlagartig in ganz Europa. Seine Visionen der Serie Carceri nahmen romantische Geister unwiderstehlich gefangen. In seiner Italienischen Reise erwähnt auch Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) die schon damals weit verbreiteten Piranesi-Stiche . Mit dem Dichterfürst hat Piranesi das Dasein als Universalgenie gemein: Er arbeitete u.a. als Bühnenbildner, Architekt, Schriftsteller, Illustrator, Drucker, Verleger, Sammler und Archäologe. Wie Goethe bereiste auch er den Süden: Gezeigt werden in der Ausstellung einige Arbeiten seines Spätwerks zu den Tempeln von Paestum und Tivoli.
Anlässlich dieser Ausstellung zeigt die Casa di Goethe zum ersten Mal eine wichtige Dauerleihgabe von Rechburg e Betzkoj Associati (RB) ( www.rechburg.it ): die J.W. Goethe zugeschriebene Federzeichnung „Italienische Landschaft mit Kloster“ von 1787.

Vom 14.9.-26.9. kann der Besucher auch noch ein Blick auf das römische Stadtviertel "Pigneto" werfen. Fotoausstellung "Obiettivo Pigneto"