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Jahresbericht 2013

Tätigkeitsbericht

Die Casa di Goethe im Jahr 2013

 

Am 20. September 2012 hatte die Casa di Goethe eine wichtige Erweiterung gefeiert: In Anwesenheit des Staatsministers für Kultur und Medien Bernd Neumann und des italienischen Kulturministers Lorenzo Ornaghi wurden neue Räume in der oberen Etage des Goethe-Hauses eingeweiht. Mit der Vergrößerung um rund die Hälfte der bisherigen Museumsfläche bieten sich für die Casa di Goethe neue Perspektiven und Möglichkeiten, ihr Programm mit Veranstaltungen, Seminaren und Stipendienprogrammen zu erweitern. Die neuen Räume konnten außerdem die historische Bibliothek des deutschen Künstlervereins in Rom beherbergen, welche nun nach einer wechselvollen Geschichte dort ein festes Zuhause gefunden hat.

Alles versprach also für das Jahr 2013 einen schwungvollen, jedoch etwas ruhigeren und konzentrierteren Blick auf die neuen Arbeitsperspektiven und auf die Museumsarbeit. Und doch gab es ein wichtiges Ereignis für das Jahr 2013, das wieder eine große Veränderung mit sich brachte: der Direktorinnenwechsel.

Ursula Bongaerts gab im Januar 2013 bekannt, dass sie die Casa di Goethe verlassen würde. Das tat sie nach insgesamt 24 Jahren Arbeit für dieses Haus. 8 Jahre hat sie beim Aufbau von der AsKi-Geschäftsstelle in Bonn aus mitgearbeitet, 16 Jahre war sie als Direktorin in Rom tätig, die Erweiterung des Hauses hat sie 2012 zum Abschluss gebracht.

Sie ist auf ihrem eigenen Wunsch nach Deutschland zurückgekehrt, um bei der Kulturstiftung des Bundes zu arbeiten.

Es gab für ihre Verabschiedung mehrere Festakte:

Am 31.5. 2013 fand die offizielle Verabschiedung statt. Es sprachen Staatsminister für Kultur und Medien Bernd Neumann, der Vorsitzende des AsKI Dr. Andrea Fadani , die stellvertretende Vorsitzende Frau Prof. S. Popp und Marino Freschi, Ehrenpräsident der Goethe-Gesellschaft Italien.

Am 6.6.2013 fand in der Casa di Goethe eine „Festa della letteratura e della traduzione“ als Abschlussveranstaltung des Übersetzerworkshops „Un`antologia di Rom-Blicke“ der Universität La Sapienza statt. Grußwort: Dr. Ulrike Horstenkamp ( Geschäftsführerin des AsKi)

Und am 12.6.2013 war die letzte Veranstaltung von Ursula Bongaerts eine Lesung mit Hanns-Josef Ortheil, die zugleich als Auftakt für die Tagung des Italienischen Germanistenverbandes diente.

 

Zu der Nachfolge von Ursula Bongaerts

Ernennung von Dr. Maria Gazzetti als neue Direktorin von der Casa di Goethe ab dem 1. September 2013

Die Stelle für die neue Leitung der Casa di Goethe in Rom wurde im Januar 2013 vom AsKi öffentlich ausgeschrieben. Es gab weit über hundert Bewerbungen, die laut Frau Prof. Dr. Susanne Popp (AsKi) der Vorsitzenden der Findungskommission von sehr hohem Niveau waren, was auch das hohe Ansehen zeigt, das die Casa di Goethe genießt.

Die italienische Literaturwissenschaftlerin Dr. Maria Gazzetti wurde im April 2013 zur neuen Leiterin der Casa di Goethe berufen. Sie geht zurück nach Italien, nachdem sie ihr ganzes bisheriges Berufsleben in Deutschland verbracht hat.

In Viterbo (Italien) geboren und in Rom zur Schule gegangen, hat sie dann in Hamburg studiert und wurde dort in vergleichender Literaturwissenschaft promoviert. Sie leitete von 1995 bis 2010 das Literaturhaus in Frankfurt am Main, ab Dezember 2010 war sie Geschäftsführerin der Stiftung Lyrik-Kabinett in München.

 

Zu ihrer Berufung erklärte Kulturstaatsminister Bernd Neumann im April 2013:

„Wir freuen uns, dass mit Maria Gazzetti eine außerordentlich erfahrene, mit der deutschen wie italienischen Literatur und Kulturszene gleichermaßen vertraute und vernetzte Wissenschaftlerin die Leitung dieser einmaligen Einrichtung in Rom übernehmen wird. In Frankfurt hat sie das dortige Literaturhaus zum glanzvollen Mittelpunkt des literarischen Lebens der Stadt werden lassen, mit dem Lyrik-Kabinett in München hat sie den Kreis der Lyrikfreunde in Deutschland erweitert“. Weiter betonte der Staatsminister: „Mit der Findungskommission bin ich überzeugt, dass Maria Gazzetti die sechzehnjährige überaus erfolgreiche Arbeit von Ursula Bongaerts mit neuen Akzenten fortsetzen wird. In Zeiten, da die wirtschaftlichen Probleme innerhalb der Euro-Zone auch an traditionell sehr guten bilateralen Beziehungen wie denen Deutschlands zu Italien nicht spurlos vorübergehen, ist die Entscheidung für eine Italienerin an der Spitze des Museums, die in Deutschland studiert hat und seit Jahrzehnten hier lebt, auch ein politisches Signal“.

Die neue Leitung konnte im September 2013 ihre Arbeit in der Casa di Goethe aufnehmen.

Maria Gazzetti zu ihrer neuen Aufgabe als Direktorin der Casa di Goethe:

„Der deutsch-italienische Kulturaustausch ist mein Herzensanliegen. Dass ich nun als Italienerin, nach 30 Jahren Arbeit in deutschen Kulturinstitutionen in der Casa di Goethe in Rom arbeiten darf, ist eine Traumaufgabe für mich. Ich folge dabei der Direktorin Ursula Bongaerts, die hier in Rom mit Erfolg gewirkt hat. Die Casa di Goethe wird in Rom unter Fachleuten und Kollegen für das Niveau ihrer Arbeit hoch geschätzt. Auch mit mir werden

Im Mittelpunkt des Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramms neben Goethe und seiner epochemachenden Italienreise die Literatur und Kunst der deutschen Klassik stehen.

Ich möchte in Zukunft die Kontinuität der Arbeit dieses Hauses pflegen, aber auch innerhalb dessen durch einige Verschiebungen und Akzentuierungen, die Institution wachsen lassen, sie noch mehr einem deutsch-italienischen Publikum öffnen. Man sollte die Casa di Goethe als den Ort besuchen, an dem Entdeckungen gemacht werden, über das, was deutsch-italienischen Kulturaustausch sein kann - gestern und heute. Weiterhin die Erinnerung an die Reise von Goethe in Italien pflegend, will ich den Begriff der Italienreise in Kunst und Literatur der Neueren Zeit und von Heute noch tiefer erforschen, die künstlerische deutsch-italienischen Begegnung in den Mittelpunkt stellen, sie anregen. Mit der neuen Reihe “Incontri romani” (römische Begegnungen) sollen regelmäßig ein deutscher und ein italienischer Autor gemeinsam lesen, oder jeweils das Werk des anderen kommentieren, entdecken und /oder übersetzen. Begleitend dazu wird eine neue zweisprachige Buchreihe erscheinen, die denselben Titel “Incontri romani” trägt.

Zur Zeit geht es nicht besonders harmonisch zu im deutsch-italienischen Verhältnis. Daher soll es in der Casa di Goethe auch Platz für kulturpolitische Diskussionen im Veranstaltungsprogramm geben, wie zum Beispiel mit der geplanten Veranstaltung 2014 mit Angelo Bolaffi und Claus Offe zu “Deutsches Herz“. “Deutschland erklären” heißt der Arbeitstitel zu solchen Abenden. Klassisches wird weiterhin seinen Platz behalten, wie bei den für 2014 geplanten Veranstaltungen über Goethe, E.T.A. Hoffmann oder Paul Heyse. Goethe hat den Begriff der Weltliteratur hoch gehalten. Daher wird die Casa di Goethe in Zukunft sich auch oft mit ihren Lesungen der Weltliteraturgattung schlechthin widmen – der Poesie.

Die permanente Ausstellung der Casa di Goethe über Goethes Italienreise soll überarbeitet werden. Das Museums und Ausstellungswesen hat sich in den letzten Jahren durch die neuen Medien und neuen Präsentationsmöglichkeiten rasant entwickelt, wir brauchen dafür aber etwas mehr Zeit.

 

 

Ausstellungen und ausstellungsbegleitende Veranstaltungen

2013 war es dringend notwendig die Klimaanlage in der Museumsetage zu erneuern. Das Ausstellungsprogramm musste entsprechend angepasst werden, da es keine Planungssicherheit wegen der Einbautermine gab. So hätte man z.B. keine angemessene klimatischen Bedingungen für empfindliche Leihgaben zusichern können.

 

Es fanden trotzdem folgende Ausstellungen statt:

  1. Die hochkarätige Ausstellung „Den ganzen Tag gezeichnet“ mit bisher noch nie gezeigten Originalzeichnungen Goethes während seiner Italienreise, welche zur Eröffnung der neuen Räume gezeigt wurde, wurde fortgeführt: allerdings mit hochwertigen Faksimiles.

Dies ist so auch langfristig für Dauerausstellung und Ausstellungen an anderen Orten in Italien gedacht.

Ausstellungsbegleitende Veranstaltungen: Vortrag Petra Maisak (vom Freien Deutschen Hochstift, FaM), Buchvorstellung von J. Ph. Hackerts Briefe (1761-1806) von Claudia Nordhoff(Hgb) und als Finissage eine szenische Lesung von Goethe-Texten.

 

  1. Die Faksimile-Ausstellung „ Den ganzen Tag gezeichnet“ wurde so im Jahre 2013 an vier Orten gezeigt: Venedig, Verona, Bologna und La Spezia.

 

  1. Sehr erfolgreich lief vom Mai bis September 2013 die Fotoausstellung von Christoph Brech mit dem Titel „Roma città scattata. Fotografien und Videoarbeiten“.

 

Ursula Bongarts wollte als letzte Ausstellung, die zugleich die 50. war, einen zeitgenössischen Künstler präsentieren. Gleichzeitig konnte auch eine aktuelle Schenkung von Michael und Ricarda Matheus (Videoarbeiten von Brech für die Sammlung der CdG) vorgestellt werden.

Zur Eröffnung der Ausstellung sprach Arnold Nesselrath, stellv. Direktor der Vatikanischen Sammlung, der mit dem Künstler ein eigens Projekt für den Vatikan plant.

In der Foto-Ausstellung wurden auch zwei kürzere Videoarbeiten von Christoph Brech gezeigt. Es gab auch mehrfach Präsentationen der längeren Video-Arbeiten des Künstlers während der Laufzeit der Ausstellung als Vorprogramm bei Veranstaltungen sowie während des Programms „Open House“ und bei der europäischen Museumsnacht.

Die Ausstellung wurde anschließend im Deutschen Bundestag in Brüssel im Verbindungsbüro bei der Europäischen Union als Kooperation mit der Casa di Goethe gezeigt.

 

  1. Da Maria Gazzetti bis Ende August 2013 noch im Lyrik Kabinett tätig war, gab es nicht genug Zeit, eine neue Herbstausstellung für Rom zu organisieren. So hat sie sich dafür entschieden, Grafik aus der eigenen Sammlung der Casa di Goethe zu zeigen. Unter dem Titel Grillen und Staub. Italienische Landschaften der Goethezeit zeigte die Ausstellung einen zentralen Teil der Bestände der CdG: wertvolle Radierungszyklen mit italienischen Landschaften deutscher Künstler und einige Arbeiten des Römers Carlo Labruzzi. Diese feine Kabinettausstellung ist außerordentlich gelungen, sie wurde auch von bekannten italienischen Kunstkritikern besucht, es gab dazu eine Rezension im „Il Corriere della Sera“ (lokal).

 

Kulturelle Bildung

 

Durch die Inbetriebnahme der zusätzlichen Räumlichkeiten im 2. Stockwerk und dank der Möglichkeit, auch während der Öffnungszeiten des Museums Veranstaltungen durchführen zu können, konnte die Zusammenarbeit mit Universitäten und Schulen intensiviert werden.

So gab es im zweiten Stock im Jahre 2013 mehrere Treffen und Tagungen:

- Zum Rombild als Gegenstand deutschsprachiger Autoren. Der Anlass war der 40 Jahre zurückliegende Rom-Aufenthalt von Rolf Dieter Brinckmann. In Zusammenarbeit mit La Sapienza und dem Goethe-Institut

- Lesung mit Uwe Timm und ein Vortrag di Bella, mit der Universität La Sapienza, dem Goethe-Institut und dem DAAD

- Ein Übersetzerworkshops und ein Fest zum Abschluss (Kooperationspartner, dito)

- Der junge Goethe, Hörspiel und Comic ( mit dem Goethe-Institut und CdG)

- Ein Workshop für DAF-Lehrer

- Ein fast überraschendes großes Publikumsinteresse weckte die Gesprächsreihe mit der Uni La Sapienza: Die deutsche Romantik/ Il romanticismo tedesco ( vier Abende, siehe Veranstaltungsliste)

- Mehrere Schulveranstaltungen

 

Literatur in der Casa di Goethe

Literatur spielte in der CdG immer eine wichtige Rolle (s. Marino Freschi, der in seiner Abschiedsrede für Ursula Bongarts von der Casa di Goethe als das erste deutsche Literaturhaus im Ausland sprach). Dies wird unter Maria Gazzetti weiter ausgebaut.

In der Casa di Goethe fanden auch 2013 zahlreiche Lesungen statt: Es lasen im Frühjahr u.a. Mario Fortunato, Maria Cecilia Barbetta und Sibylle Lewitscharoff bei der Vorstellung der Literaturstipendiaten der Villa Massimo 2013, Hanns-Josef Ortheil und Uwe Timm.

Zum Einstand von Maria Gazzetti am 5. November2013 sprachen Horst Claussen, Leiter Referat K 21 beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und Dr. Andrea Fadani Vorstandsvorsitzender des Aski. Maria Gazzetti hat für Ihren Einstand im November mit einer neuen Reihe begonnen: „Incontri Romani“, bei der italienische und deutsche Dichter zusammen auf dem Podium lesen.

So trafen sich am 5. November bei ihrem Einstand Jan Wagner und Roberto Zapperi, am 28. November Durs Grünbein und Valerio Magrelli. Gazzetti stellte außerdem (Moderation und Übersetzung) am 11. November die italienische Übersetzung von Lewitscharoffs Romans „Blumenberg“ vor.

Aber auch Wieland, Goethe, Paul Heyse, Jean Paul, Karl Philipp Moritz und Hebbel wurden Leseabende gewidmet.

Die Gesprächsreihe Büchneriana (mit der Universität Rom zusammen) konnte im Büchner-Jahr 2013 die intensive Beschäftigung von italienischen Wissenschaftlern unterschiedlicher Sparten wie Musik, Kunstgeschichte, Politikwissenschaft mit dem Werk Büchners beleuchten (siehe Veranstaltungsliste).

Mit der Happy Hour bei Goethe! Deutschrömischer Aperitf (In Zusammenarbeit mit dem Verein Deutsche in Rom/Treffpunkt 1 Mal im Monat verbunden mit dem Besuch der Wechselausstellung mit Eintritt) hat Dorothee Hock die Gruppe der Deutschrömer stärker ans Haus binden können. Die Treffen finden jetzt ab September 2013 in unregelmäßiger Reihenfolge statt und in Verbindung mit einer Veranstaltung.

 

Die Casa di Goethe hat auch bei folgenden Events der Stadt Rom teilgenommen:

Open House ( 4.-5. Mai 2013, freier Eintritt)

Europäische Museumsnacht ( 18. Mai 2013, mit Dauer-und Wechselausstellung und Filmvorführung, freier Eintritt)

 

Die Casa di Goethe als ein Ort der italienischen (und deutschen) Germanistik

 

Die bewährte Zusammenarbeit mit der Goethe-Gesellschaft, Italien, dem Istituto Italiano di Studi Germanici und den Universitäten (vor allem den römischen) wurde auch unter der neuen Leitung erfolgreich fortgesetzt.

Zusammen mit dem Istituto Italiano di Studi Germanici , dem DAAD, der Deutschen Botschaft, dem Forum Austriaco, der Universitäten Rom, Verona, Salzburg und dem Art Forum Würth gab es im September 2013 zwei Tage lang eine internationale Tagung zu:

Ingeborg Bachmann: Konstellationen, Korrespondenzen, Kontexte: Neue Perspektiven der Forschung zum Werk von Ingeborg Bachmann. Der erste Tag hat in der Villa Sciarra, der zweite in den oberen Räumen der Casa di Goethe stattgefunden.

Ebenso in den oberen Räumen fand Anfang Dezember zwei Tage lang die deutsch-italienische Tagung statt: 1914: Krieg und Literatur (deutsch/italienisch), Kurator: Marino Freschi

So bewährt es sich ganz besonders, wie bereits ausdrücklich erwähnt, dass man solche Veranstaltungen und Kooperationen durchführen kann, ohne den Museumsbetrieb in der ersten Etage zu beeinträchtigen.

 

Die Casa di Goethe als ein Schaufenster des AsKI

Mit der Gesellschaft für deutsche Sprache, Zweigverein Rom, gab es einen Vortrag mit Prof. Uwe Pörksen, Erkenntnis und Sprache in Goethes Naturwissenschaft

In Kooperation mit der SWK fanden die Ausstellung Goethe-Zeichnungen und zwei Vorträge statt.

 

Stipendienprogramm 2013/2014

Das Stipendienprogramm konnte nach der Behebung der Platzprobleme wieder aufgenommen werden - dank der Förderung der Karin und Uwe Hollweg Stiftung. Im Februar 2013 fand die erste Jurysitzung statt. Jury-Mitglieder sind: Prof. Dr. Angelo Bolaffi, Prof. Dr. Dieter Richter, Prof. Dr. Susanne Popp. Die Stipendiaten erhalten neben dem freien Wohnen 1.500 Euro pro Monat.

Aus 65 Bewerbungen hat Frau Dr. Ulrike Horstenkamp, Geschäftsführerin des AsKi in Bonn, eine Vorauswahl getroffen. Dank Ihrer ausgezeichneten Vorbereitung konnte die Jury bei der ersten Sitzung in Rom am 1. Februar 2013 gut und zügig arbeiten und folgende sieben Stipendiaten für die Jahre 2013-2014 auswählen:

  1. Nora Bossong, Schriftstellerin und Kulturwissenschaftlerin. Rechercheprojekt für Roman über einen deutschen Wissenschaftler, der in Rom über Antonio Gramsci forscht. 3 Monate
  1. Christina Höfferer, Radio und Reisejournalistin aus Österreich. Projekt „Ein Haus für Ingeborg Bachmann“, 2 Monate
  1. Christine Künzel, Privatdozentin. Rechercheprojekt über Gisela Elsner in Rom 1965. 2. Monate
  1. Kadi Polli, Kunsthistorikerin aus Litauen, Forschungsprojekt über baltische Künstler des 19. Jhs in Rom, 2 Monate
  1. Stella Tinbergen, Recherchen zu Kurzfilm über den expressionistischen Tänzer Alexander Sacharoff, 3 Monate
  1. Thomas Wolff, Autor und Komponist. Projekt Audio-CD für Kinder über Goethes Italienreise, 6 Wochen
  1. Stephan Kammer, Germanist. Projekt „Rom, Steine. Antiquarische und idealistische Antike im ausgehenden 18. Jh., 2 Monate

 

Mit Christina Höfferer fand auch eine Vorstellung ihrer Arbeitsergebnisse in Form eines Kurzvortrags in der Casa di Goethe statt. Bis Juni 2014 werden auch Nora Bossong, Stella Tinbergen und Christine Künzel ihr Stipendium in Rom angetreten haben.

 

 

 

Bibliothek und Sammlung

 

Für die neue Leitung steht sofort eine wichtige Aufgabe an: sich um die ehemalige Bibliothek des deutschen Künstlervereins in Rom zu kümmern, die sich seit September 2012 in der Casa di Goethe befindet. Hervorgegangen aus der 1821 gegründeten Bibliothek der Deutschen auf dem Kapitol, ist die Bibliothek ein zentrales Dokument für das intellektuelle Leben der deutschen Kolonie in Rom und in wissens- und kunstgeschichtlicher Perspektive von allerhöchstem Interesse. Von ihm lassen sich weitgehende Aufschlüsse über das Lektüreverhalten der deutschen Künstler in Rom, die Organisation des intellektuellen Lebens innerhalb der deutschen Künstlerrepublik sowie den philosophischen und theoretischen Ideentransfer erwarten. Aus der Auswahl der Bücher für die Bibliothek lassen sich weitgehende Schlussfolgerungen über das Künstlerwissen der Zeit, den Lektürekanon und die Rezeption ästhetischer, poetischer, politischer, religiöser, sozialer Ideen in Rom beschreiben. Dies war bisher kaum in dieser Form möglich. Für eine Rekonstruktion der zentralen Debatten des 19. Jahrhunderts bietet die Bibliothek einen unschätzbaren Quellenfundus.

Ich habe mit Prof. Tiemann von der Universität Göttingen Kontakt aufgenommen und wir erarbeiteten von September bis Dezember 2013 einen Antrag an die DFG für die Erschließung dieser Bestände. Ein Katalog und eine historisch-dokumentarische und wissensgeschichtliche Aufarbeitung mit einer anschließenden Ausstellung ist das Ziel des Projekts. Den Antrag stellt die Universität Göttingen, weil dies für die Casa di Goethe als nicht wissenschaftliche Institution nicht möglich ist. Das Haus fungiert beim Antragsteller als die dabei beteiligte Institution.

Bis spätestens Mitte 2014 hoffen wir auf eine positive Antwort von der DFG. Danach könnte ein wissenschaftlicher Mitarbeiter ab September 2014 in den oberen Räumen mit der Arbeit beginnen. Geschätzte Zeitdauer der Katalogisierung: 1 ½ Jahre.

 

Sammlung

Wegen des Umbaus im oberen Geschoss hatte Ursula Bongaerts im Jahr 2013 weniger für Ankäufe für die eigene Sammlung getätigt. Erworben wurde ein Ölportrait von Josef von Kopf (Präsident des deutschen Künstlervereins ), außerdem gab es kleinere Schenkungen wie Radierungen und Kunstbücher.

Im November 2013 konnte die Sammlung aber um ein bedeutendes Exponat erweitert werden. Tischbein zeichnete in seiner norddeutschen Zeit wiederholt Landschaften. Die südliche Reminiszenzen spiegeln“, schreibt der Tischbein-Forscher Prof. Hermann Mildenberger von der Stiftung Weimarer Klassik in seinem Gutachten zu einem Aquarell des Künstlers, das die Casa di Goethe im November 2013 auf den Herbstauktionen der Villa Grisebach in Berlin ersteigern konnte. Es handelt sich um das Blatt: J. W. Tischbein, Ideal Landschaft (um 1824). Es ist erfreulich, dass dieses „norddeutsche Blatt“ mit südlichen Reminiszenzen nun in der Via del Corso 18, gleich in dem römischen Atelier von Tischbein seine Bleibe gefunden hat.

Die Dauerleihgabe der Ernst von Siemens Kunststiftung München Samuel Bellin ( 1799-1893), Rom-Panorama von der Casa Claudia“ bei Piazza Trinità dei Monti, Bleistift auf Kohle und fünf zusammengesetzte Bögen, 35X230cm (Blattgröße) 55x240cm (gerahmt), ist seit Ende des Jahres wieder in der Dauerausstellung zu sehen.

 

Publikationen

  1. 2013 erschien die Broschüre von Dorothee Hock (Presse und Öffentlichkeit, Casa di Goethe) über die Geschichte des Hauses an Via del Corso. Die Broschüre mit dem Titel: Eine Adresse mit Geschichte. Rom, Via del Corso 18, (Separate dt. und ital. Ausgabe) bietet eine informative und gut recherchierte Darstellung der Geschichte des Gebäudes - über die Goethezeit hinaus - und wurde in der italienischen Presse (lokal) positiv besprochen. Die Veröffentlichung wurde in einer Veranstaltung der Casa di Goethe vorgestellt.
  1. Im Oktober 2013 hat Maria Gazzetti ein Heft zur Verabschiedung von Ursula Bongaerts herausgegeben , Commiato da Roma , (deutsch/Ital.).
  1. In der Reihe Incontri Romani 1 ist im November 2013 der Band 1 erschienen: Durs Grünbein, Reimereien in Weimar, Rimucce a Weimar“ , Hrg. von Maria Gazzetti (deutsch/ital., Roma 2013)

 

Umbauten

 

Der Einbau der neuen Klimaanlage, der im Juli hätte fertig werden sollen, konnte erst im Dezember 2013 erfolgreich abgeschlossen werden. Das Museum musste dafür für kurze Zeit im Juli geschlossen werden.

Im Foyer wurde im Herbst ein neuer Empfangsbereich mit einer Bookshop-Ecke (neben dem Museumsshop) eingerichtet. Dadurch sind die in der Casa di Goethe zu erwerbenden Kataloge und Bücher besser sichtbar. Dafür sind Besucher und auch einige Römer und Deutsch-Römer umso dankbarer, da die traditionsreiche deutsche Herder Buchhandlung in Rom seit 2012 geschlossen ist.

An den Fenstern wurden Ende November Lichtschutzfolien angebracht, um die ausgestellte Grafik besser vor dem Tageslicht /UV-Strahlen zu schützen.

 

Dank

Ich konnte in den ersten Monaten in Rom gleich erfahren, dass die Casa di Goethe in der Stadt unter Fachleuten und Kollegen für das Niveau ihrer Arbeit sehr geschätzt wird. Das ist der Verdienst von Frau Ursula Bongaerts gewesen sowie auch des engagierten Teams, mit dem ich mich freue, weiter zusammen arbeiten zu können.

In den Monaten Juni, Juli und August 2013 hat das kleine Team der Casa di Goethe die Interimszeit und den Beginn der Bauarbeiten für die Erneuerung der alten Klimaanlage mit einer unbesetzten Leitung glänzend allein gemeistert. Das Team hat dann auch im September die neue Leitung herzlich, engagiert und offen aufgenommen. Dorothee Hock hat darüber hinaus die Stellvertretung der Direktion übernommen und in Absprachen mit dem AsKi-Vorstand und der zukünftigen Leiterin, die bis Ende August 2013 noch in München bei der Stiftung Lyrik Kabinett tätig war, das Alltagsgeschäft geführt. Maria Gazzetti konnte in enger Zusammenarbeit mit Dorothee Hock von München aus reibungslos das Programm für September-Dezember 2013 und die Ausstellung „Grilli e Polvere“ vorbereiten.

Die Pressearbeit von Dorothee Hock ist ganz besonders hervorzuheben, die Berichterstattung (deutsche, italienische Presse und online-Medien) über die Casa di Goethe ist sehr erfreulich.

Dass dieses umfangreiche Programm, das durch die Erweiterung der Räume ebenso mitgewachsen ist, durchgeführt werden konnte, verdankt sich der tatkräftigen, bewährten und engagierten Mitarbeit von Dorothee Hock, Isolde Hendel und Domenico Matilli. Ein ganz besonderer Dank geht an Ornella Mignemi (Empfang), an Susanne Mille und Alessandra Sartori, die abwechselnd den Museumsdient und die Führungen samstags und sonntags übernehmen, wie auch dem Praktikantinnen-Team, das uns 2013 unterstützt hat (Romina Ebenhöch, Renate Voget, Katharina Boas, Karla Koller, Helene Leoni, Viktoria Teske, Maike Cremer, Darja Jesse).

 

Ein besonderer Dank geht auch an die vielen Kooperationspartner (auch hierzu siehe Veranstaltungsliste).

Anlage: Übersicht über alle Veranstaltungen

 

 

 

Rom, im Mai 2014

Dr. Maria Gazzetti, Leiterin der Casa di Goethe

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