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Jahresbericht 2010

Die Casa di Goethe 2010

Die Casa di Goethe, Deutschlands einziges Auslandsmuseum, wurde 1997 in Goethes ehemaliger römischer Wohnung am Corso eröffnet. Träger ist der Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute e.V. – AsKI in Bonn, ein Zusammenschluss von derzeit 35 rechtlich selbständigen bedeutenden Kultureinrichtungen in der Bundesrepublik. Finanziert wird das Haus vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Mit Unterstützung des Deutschen Bundestages konnte der AsKI im Dezember 2009 zusätzliche über der Museumsetage liegende Räumlichkeiten im 2. Stock in der Via del Corso 18 erwerben und damit das römische Goethe-Haus um immerhin die Hälfte seiner Fläche erweitern. In Sachen Umbau der neu erworbenen Wohnung sind wir 2010 ein entscheidendes Stück vorangekommen: Es fanden ausführliche Gespräche zwischen dem AsKI, der Casa di Goethe, dem Programmbeirat und dem Zuwendungsgeber BKM statt. Das von der Casa di Goethe vorgelegte Nutzungskonzept wurde befürwortet. Mit Alessandro Casadei wurde ein erfahrener italienischer Architekt verpflichtet, der in Italien und in Deutschland studiert und bereits für deutsche Einrichtungen in Rom gearbeitet hat. Er legte bis Ende 2010 eine Entwurfsplanung und einen endgültigen Kostenvoranschlag vor, auf deren Grundlage der AsKI Anfang 2011 den entsprechenden Projektantrag beim BKM stellen kann. Wir hoffen, die Umbaumaßnahme bis Ende 2011 abschließen und die neuen Räume 2012 zum fünfzehnjährigen Bestehen der Casa di Goethe eröffnen zu können.

Gefreut haben wir uns darüber, dass der Erwerb der neuen Räumlichkeiten wichtigen Vertretern aus Verwaltung und Politik Anlass für einen Besuch in der Casa di Goethe war. Besonders zu erwähnen sind die Besuche von Norbert Lammert, dem Präsidenten des Deutschen Bundestages, von Kulturstaatsminister Bernd Neumann, von Monika Grütters, der Vorsitzenden des Kulturausschusses des Bundestages, und von Sigrid Bias-Engels, Gruppenleiterin im BKM.

2010 war auch ein äußerst erfolgreiches Jahr mit Blick auf die Erweiterung der museumseigenen Sammlung. Mit zwei bisher unbekannten und qualitätvollen Zeichnungen mit Rom-Ansichten von Joseph Anton Koch (1768-1839) und einem spektakulären Ensemble von vier großformatigen Rom-Panoramen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, gezeichnet von zwei französischen, einem englischen und einem deutschen Künstler, hat die Casa di Goethe ihre Sammlung um herausragende und einzigartige Exponate bereichern können. Der Erwerb wurde unterstützt durch die Förderung der Kulturstiftung der Länder und der Ernst von Siemens Kunststiftung, die 2010 gleich zwei wichtige Ankäufe ermöglich hat.

Drei Wechselausstellungen – zwei davon in Kooperation mit AsKI-Mitgliedern erarbeitet - und eine Kabinettausstellung zeigte die Casa di Goethe 2010 in ihren Räumen. Mit ihrer ersten Ausstellung „Piranesi, Rembrandt der Ruinen“ präsentierte das römische Goethe-Haus erneut einen Teil der eigenen Sammlung. Die Ausstellung mit Radierungen aus Piranesis Serie „Vedute di Roma“ und Ansichten von Paestum und Tivoli stieß gerade beim römischen Publikum auf sehr großes Interesse und fand eine entsprechende Presseresonanz. Sie wurde wegen ihres großen Erfolgs in der Sommerzeit erneut für zwei Monate gezeigt und im Herbst durch eine Kabinettausstellung mit Fotographien eines heutigen römischen Stadtteils – des Pigneto – ergänzt sowie von einem Vortrag des Journalisten Pierluigi Panza und zwei Abenden mit dem römischen Komiker Stefano Vigilante begleitet.

Daran schloss sich die in Kooperation mit der Kunstsammlung der Berliner Akademie der Künste erarbeitete Ausstellung „Mit Licht gezeichnet. Das Amalfi-Skizzenbuch von Carl Blechen“ an. Diese von Mareike Hennig kuratierte Ausstellung, die zuvor in der Hamburger Kunsthalle und der Alten Nationalgalerie Berlin gezeigt worden war, war ohne Zweifel eine der herausragenden Ausstellungen, die die Casa di Goethe seit ihrer Eröffnung 1997 gezeigt hat. Blechens einzigartiges Konvolut von Skizzenbuchblättern seiner Reise an die Amalfi-Küste wurde erstmals vollständig präsentiert. Die Ausstellung, die mit verlängerten Öffnungszeiten während der Europäischen Nacht der Museen im Mai und einer „Blechennacht“ im Juli besonders vom römischen Publikum wahrgenommen wurde, stieß auf großes Interesse beim Fachpublikum, bei der breiten Öffentlichkeit und in der Presse. Ergänzend zum umfangreichen deutscher Katalog, den die Kunstsammlung der AdK verantwortet hat, hat die Casa di Goethe eine italienischsprachige Publikation herausgegeben.

Zum Auftakt des Kleist-Jahres zeigten wir schließlich im Herbst in Zusammenarbeit mit dem Kleist-Museum Frankfurt/Oder die Ausstellung „Auf den Knieen meines Herzens. Kleist trifft Goethe“, zu der ein zweisprachiger Katalog erschien, der die unterschiedlichen Lebenswege der beiden Dichter und ihr komplexes Verhältnis thematisiert sowie Kleists imaginäres Italienbild und die Rezeption seines Werkes in Italien beleuchtet. Begleitet wurde die Ausstellung, die von Barbara Gribnitz kuratiert wurde, von zahlreichen Veranstaltungen: Vorträgen von Stefania Sbarra und Giovanni Sampaolo zum Thema „Kleist incontra Goethe e l´Italia“, einer von Patrizzia Peresso und Marta Tibaldi kuratierten Vortags- und Gesprächsreihe mit Psychologen, einer Lese- und Schreibwerkstatt mit Studenten der Universität La Sapienza unter der Leitung von Camilla Miglio und einer szenischen Lesung des Findling in italienischer Sprache mit Susanna Marcomeni und Alarico Salaroli.

Die bis Februar in der Casa di Goethe gezeigte Ausstellung „Michael Ende in Italien“, die zum Abschluss von zwei Veranstaltungen begleitet wurde - durch einen Abend mit dem Komponisten Wilfried Hiller, der als Stipendiat der Villa Massimo Ende der 70er Jahre Ende kennengelernt und mit ihm zusammengearbeitet hatte, und eine Film-Reihe im Goethe-Institut -, war im Anschluss in einer reduzierten Form an weiteren vier Orten in Italien zu sehen: in Venedig und Verona mit jeweils einer Einführung durch Roman Hocke, den Kurator der Ausstellung, sowie in Malcesine und Perugia mit Einführungen durch Dorothee Hock bzw. Renata Crea, Mitarbeiterinnen der Casa di Goethe. In Italien ist das Interesse an Michael Ende groß bzw. konnte durch Ausstellung und Katalog erneut geweckt werden. Auch für 2011 gibt es bereits Anfragen auf Übernahme an weiteren Orten Italiens.

 

Besonders erfolgreich waren die museumspädagogischen Programme, vor allem das Faust-Projekt für Schüler mit über 500 Teilnehmern allein in Rom. Es basiert auf dem 2009 von der Casa di Goethe produzierten Film Faust chi? von Marco Maltauro und schließt neben der Filmvorführung eine Einführung in Goethes Faust I und eine Führung durch die Dauerausstellung ein. Dieses von Dorothee Hock und Renata Crea betreute Programm wurde auch in Venedig, Castiglioncello, Ravenna und Brescia mit großem Erfolg durchgeführt. Auch die von Luca Farulli angebotenen Schüler- und Studentenworkshops zu Goethes vor 200 Jahren erschienenen Farbenlehre stießen ebenso wie die regelmäßig durchgeführten Führungen durch die Dauer- und Wechselausstellung auf großes Interesse.

In der Casa di Goethe fanden auch 2010 zahlreiche Lesungen statt: Den Auftakt bildete eine in Zusammenarbeit mit der Botschaft beim Heiligen Stuhl organisierte Lesung mit Nora Bossong aus ihrem im Diplomatenmilieu in Italien spielenden Roman Webers Protokoll. Im Frühjahr waren traditionsgemäß die Schriftsteller-Stipendiaten der Villa Massimo zu Gast, Marcel Beyer und Kathrin Schmidt. Im November gab es eine deutsch-italienische Lesung mit Gustav Seibt und Monica Lumachi aus Goethe und Napoleon, begleitet von einem Gespräch zwischen dem SZ-Journalisten Seibt und Arnold Esch, dem ehemaligen Direktor des Deutschen Historischen Instituts. In Zusammenarbeit mit dem Schweizer Kulturinstitut hat die Casa di Goethe zu einer Lesung und einem Gespräch mit Ilma Rakusa eingeladen, die aus ihrem mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichneten Buch Mehr Meer las.

Zahlreiche deutschsprachige Vorträge bereicherten das Programm: Bernhard Fischer, Direktor des Goethe-und-Schiller-Archivs in Weimar, sprach über den Briefwechsel zwischen Goethe und Cotta, der Buch-Autor und FAZ-Mitarbeiter Martin Kämpchen über Goethe und Tagore, Bernd Witte von der Universität Düsseldorf über Heine und das Judentum, Gerhard Lauer von der Universität Göttingen über Goethes Indien und der Berliner Germanist und Kulturwissenschaftler Norbert Miller über Franz Lehnbach und den Titusbogen.

Dass die italienischen Germanisten die Casa di Goethe längst auch als ihr Haus, ihre Casa ansehen, zeigen zahlreiche Veranstaltungen. Anlässlich der „Giornata della Memoria“ organisierte Marino Freschi im Januar eine Diskussionsrunde zum Thema „Essere ebrei, essere tedeschi“. Gemeinsam mit Giorgio Manacorda präsentierte er im März die Publikation Faust in Italia von Paola del Zoppo, mit Antonio Vitolo im Mai die von Giovanni Sampaolo neu herausgegebene italiensche Ausgabe von Goethes Der Mann von fünfzig Jahren und mit Grazia Pulvirenti die Publikation Karl Philipp Moritz von Renata Gambino. Ursula Bavaj kuratierte eine Vortragsreihe zum Thema „Il ritorno delle buone maniere“ mit Beiträgen von Prinz Asfa-Wossen Asserate zum Thema „Sitten und Werte im 21. Jahrhundert“, von Vanda Perretta über den Freiherr Carl Friedrich von Rumohr und einem eigenen Beitrag „Il bon ton capitalista e l`etica socialiste negli anni `50“. In einer Gesprächsrunde mit Giuseppe Dolei, Anna Maria Carpi und Lucia Perrone Capano ging es um die Exil-Erfahrungen in der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts. Und schließlich präsentierten Massimo Bonifazio und Giusi Zansai die Giuseppe Dolei gewidmete Festschrift Tra denuncia e utopia.

2010 war die Casa di Goethe mit in Kooperation mit zahlreichen Partnern durchgeführten Veranstaltungen auch außerhalb des eigenen Hauses präsent. Neben den bereits erwähnten Veranstaltungen und Ausstellungen müssen hier noch drei Tagungen genannt werden, die von Marino Freschi kuratierte Tagung im Teatro India über Emilia Galotti von Lessing sowie die von Antonella Gargano, Christine Koschel und Inge von Weidenbaum organisierte Tagung „Ingeborg Bachmann und Paul Celan“ im Istituto Italiano di Studi Germanici. Außerdem war die Casa di Goethe zusammen mit dem Zweigverein Rom der Gesellschaft für deutsche Sprache Mitveranstalter der von Sandro Moraldo kuratierten Tagung „Die nationale und internationale Stellung der deutschen Sprache“ in Mailand.

Erstmals haben wir ein viermonatiges Programmheft erstellt, das den Interessierten nicht nur eine längere Vorschau auf das Programm ermöglicht, sondern auch Kosten spart. Weitere Einsparungen konnten dadurch erzielt werden, dass Referenten, Kuratoren und Gäste in der neu erworbenen, noch nicht renovierten Wohnung untergebracht werden konnten und zahlreiche Veranstaltungen von Kooperationspartnern mitfinanziert wurden.

Zusätzlich zu den beiden Ausstellungskatalogen wurde der Dauerkatalog der Casa di Goethe (die deutsche und die italienische Ausgabe) in einer zweiten ergänzten Auflage neu gedruckt. Neu aufgenommen wurden hier Innen- und Außenansichten der Casa di Goethe des Kölner Fotografen Martin Claßen. Außerdem wurde die Homepage der Casa di Goethe modernisiert, der Newsletter wird nun direkt über die Homepage abgewickelt.

Dass dieses umfangreiche Programm neben der Betreuung der Baumaßnahme durchgeführt werden konnte, verdankt sich der tatkräftigen und bewährten Mitarbeit von Renata Crea, Susanne Dietz, Dorothee Hock und Domenico Matilli. Vor allem ihnen danke ich sehr herzlich wie auch unseren Praktikanten und Praktikantinnen, die uns 2010 unterstützt haben: Marian Zabel, Sebastian Polmans, Nikola Rischitsch, Zora Block, Daniela Koch, Carolin Wagner, Nikolas Cimiotti, Anne Maria Ewen und dem Schülerpraktikanten der Deutschen Schule Rom Livio Prati.

Rom, im April 2010

Ursula Bongaerts, Leiterin der Casa di Goethe

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