Museum - Bibliothek - Deutsch-italienisches Foyer

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Jahresbericht 2014

Jahresbericht 2014

 

Dr. Maria Gazzetti, seit September 2013 Leiterin der Casa di Goethe, hatte im Jahr 2014 vor allem drei Schwerpunkte gesetzt:

1: Leitmotiv der Veranstaltungen und Ausstellungen sollten verstärkt die deutsch-italienischen Beziehungen sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart sein.

2: Durch die stärkere Verwendung der italienischen Sprache sollte das römische Publikum in größerem Maße als zuvor an die Casa di Goethe gebunden werden.

3: Es sollten mehr Ausstellungen aus dem inzwischen beachtlichen eigenen Museumsbestand gezeigt  sowie eigene Ausstellungsprojekte entwickelt werden.

Museum:

Zunächst einmal kann über ein besonderes Highlight berichtet werden. Tatsächlich hielt der September des Jahres für die Casa di Goethe ein unerwartetes Geschenk bereit: Am 17. des Monats überreichte der Präsident der Ike und Berthold Roland-Stiftung dem Museum ein wertvolles Gemälde von Johann August Nahl d. J., das eine Gruppe von Pinien und Zypressen vor leuchtend blauem, südlichen Himmel zeigt. Das Bild fügt sich hervorragend in die Sammlung ein: Erweitert es einerseits die Gruppe der römischen Veduten – ein Themenschwerpunkt des Museums -, so ist andererseits auch der Bezug zu Goethe gegeben, den Nahl bestens kannte und dessen Kammerdiener er nach der Abreise des Dichters aus Rom übernahm. Kurz vor der Präsentation ergaben sich interessante Neuigkeiten zum Bildmotiv, das bislang für eine Darstellung aus Tivoli gehalten wurde. Nach einem Hinweis des Antiquars Paolo Antonacci stellte Dr.  Claudia Nordhoff weitere Recherchen an und kam zu dem überraschenden Ergebnis, dass es sich hier um eine berühmte Baumgruppe im Park der römischen Villa Montalto Negroni handelt. Diese Villa und ihre Gartenanlagen fielen 1862 dem Bau des römischen Hauptbahnhofes zum Opfer, so dass das Gemälde auch als wertvolles Bilddokument zu einem verlorenen Teil Roms im 18. Jahrhundert bezeichnet werden kann.

Im Herbst des Jahres begann die Arbeit an einer neuen Präsentation der Dauerausstellung, deren Zentrum natürlich nach wie vor Goethes „Kammer“ bildet. Hier können die Besucher heute, Dank der schönen Anregung unserer Mitarbeiterin Dorothee Hock, die lebensgroß an die Wand übertragene Reproduktion einer Zeichnung Tischbeins bewundern, die Goethe beim Bettenmachen in seinem Zimmer vorstellt: Auf diese Weise hat die Einrichtung des Dichters, zu der die Reisetruhe, seine mitgebrachten Bücher, seine Antiken und schließlich sein breites Bett gehören, nun zumindest bildlich ihren Platz in dem Raum gefunden. Die vier weiteren Zimmer der Dauerausstellung wurden jeweils unter ein eigenes Thema gestellt: „Rom zur Zeit Goethes“, „die Umgebung Roms und Süditalien“, „das Tischbein-Atelier“, und das „Warhol-Zimmer“. In diesem Zusammenhang werden nun auch andere, bislang nie gezeigte Werke aus dem Bestand der Casa di Goethe präsentiert.

Ebenfalls im Herbst wurde schließlich auch mit der Arbeit an einer „Casa di Goethe-App“ begonnen, die ab Mai 2015 den Besuchern zur Verfügung steht: Dreisprachige Texte, die durch Bildmaterial ergänzt werden, vermitteln Informationen zu ausgewählten Objekten in den fünf Räumen. Die App wird den Besuchern somit auch als Audioguide dienen.

Ausstellungen:

Nachdem im März 2014 die Ausstellung „Grillen und Staub. Italienische Landschaften der Goethezeit“ beendet wurde, eröffnete Maria Gazzetti die von ihr konzipierte Schau „Isolde Ohlbaum. Foto 1975-2014“. Gemeinsam mit der Fotografin waren Bilder von deutschen und italienischen Autoren oder anderen berühmten Persönlichkeiten ausgesucht worden wie von David Bowie auf Tour in München in den 70er Jahren oder von Künstlern, die in Italien eine Rolle gespielt haben., wie Z. B. Rainer Werner Fassbinder, Hanna Schygulla bis zu Horst Tappert, der sich als „Inspektor Derrick“ beim italienischen Fernsehpublikum großer Beliebtheit erfreute. Ein Saal war ganz der Fotodokumentation der Geschichte des von Hubert Burda geförderten internationalen „Petrarca Preises für Poesie“ gewidmet, deren legendären Preisverleihungen oft an besonderen italienischen Orten verliehen wurde. Die Publikumsresonanz war groß.

Im Juni folgte eine Schau, die als Experiment bezeichnet werden kann: Der Berliner Künstler Via Lewandowsky präsentierte „Korrekturen“, eine Serie von Fotografien, die unsere  leeren Räumen der Wechselausstellungen abbildeten. Was verleiht diesen Zimmern heute noch ihre Faszination und  welche Architekturelemente oder Gegenstände geben uns heute noch die Gewissheit, dass der Dichter tatsächlich hier weilte? Der Betrachter wurde stark auf seine Sinneseindrücke und Fantasie zurückverwiesen. Die Bilder wurden durch Texte des Dichters Durs Grünbein ergänzt, die um Goethes „Fasanentraum“ kreisen; einen während der italienischen Reise niedergeschriebenen Traum, in dem Goethe einen Kahn voller Fasanen und Pfauen heimbringen will, doch keinen Landeplatz findet.

Höhepunkt des Jahres 2014 war die große Ausstellung „Sammeln und Zeichnen. Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff in Rom“, die in Zusammenarbeit mit der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau von Mitte September bis Mitte November in der Casa di Goethe gezeigt werden konnte. Ab Januar 2015 wurde die Schau sodann in Dessau präsentiert. Erdmannsdorff, vor allem bekannt als Architekt des frühklassizistischen Wörlitzer Schlosses, war auch als Sammler und Kunstpädagoge tätig und wurde als solcher dem römischen Publikum präsentiert. Dabei handelte es sich um eine absolute Premiere: Nie zuvor waren die Romveduten, Studien und Nachzeichnungen römisch-antiker Bau- und Bildkunst, die Erdmannsdorff während seiner drei Aufenthalte in der Ewigen Stadt zwischen 1765 und 1790 selbst geschaffen oder von ansässigen Künstlern erworben hatte, im Ausland gezeigt worden. Die Ausstellung erhellte somit einen weiteren Teil des deutsch-italienischen Kulturaustausches im 18. Jahrhundert. Sie stieß sowohl in der Presse als auch bei den Besuchern auf großes Interesse.

Angeregt durch die Schenkung des Gemäldes von Nahl konzipierte Maria Gazzetti schließlich die Ausstellung „Der Himmel über Rom“, die der römischen Landschaft gewidmet war und die im November 2014 eröffnet wurde. Gezeigt wurden ausschließlich Werke deutschsprachiger Künstler aus eigenen Beständen des Museums, darunter wertvolle Zeichnungen von Jakob Philipp Hackert, Peter Birmann, Franz Kobells, Tischbein  und Joseph Anton Koch. Die von Claudia Nordhoff wissenschaftlich betreute Schau vermittelte dem Betrachter die unterschiedliche Art und Weise, mit der die Künstler der Goethezeit das Stadtbild und die umgebenden Landschaften wiedergaben.

Den Besuchern wurde die Bedeutung deutscher und Schweizer Landschaftsmaler im künstlerischen Leben Roms nahegebracht, die sich oft über Jahre hier aufhielten oder ihr Leben tatsächlich hier vollendeten.

Ausstellungsbegleitende Veranstaltungen:

Zur Ausstellung „Sammeln und Zeichnen. Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff in Rom“:

Vortrag von Norbert Michels, Direktor der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau, über die Chalcographische Gesellschaft des Fürsten Leopold Franz von Anhalt-Dessau (in Kooperation mit der Bibliotheca Hertziana).

Museumsführung und Stadtrundgang mit Karen Buttler: „quale città, o Roma può fino ad oggi paragonarsi a te? Sulle orme dell`architetto Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff a Roma“.

Zu sämtlichen Ausstellungen der Casa di Goethe wurden Sonderführungen angeboten.

Literatur in der Casa di Goethe

Allgemein lässt sich festhalten, dass das Veranstaltungsprogramm in der Casa di Goethe 2014 erweitert und mit neuen Aspekten bereichert wurde. Maria Gazzetti begründete die neue Lesungsreihe der „incontri romani“ (römische Treffen), die jeweils von einer deutsch-italienischen Publikation begleitet werden. In dieser Reihe wurde z. B. am 22. Januar Martin Mittelmeiers Buch „Adorno in Neapel. Wie sich eine Sehnsuchtslandschaft in Philosophie verwandelt“ vorgestellt. Für diese Lesung bzw. die begleitende Publikation waren 50 Seiten seines Buches neu ins Italienische übersetzt worden.

Besonders spannend und informativ war die fiktive „literarische Begegnung“ zwischen Paul Heyse und dem römischen Mundartdichter Gioacchino Belli. Walter Hettche (Ludwig-Maximilian-Universität München) berichtete über „Der König, der Papst und Belli. Paul Heyses Aufenthalt in Rom 1877/78 und seine literarischen Folgen.“ Die Tatsache, dass Paul Heyse während seines römischen Aufenthaltes gerade im Haus Via del Corso 18 gelebt hat, verlieh dem Vortrag einen besonderen Reiz. Weiterhin präsentierte der italienische Autor Mario Fortunato sein Buch über Berlin („Le voci di Berlino“) und schließlich wurden nach bewährter Gewohnheit Ende April die neuen Stipendiaten der Villa Massimo in der Casa di Goethe vorgestellt (2014: Oswald Egger und Martin Mosebach).

Einen weiteren Schwerpunkt bildeten Lesungen mit deutschen und italienischen Lyrikern. An den jeweiligen Veranstaltungen nahmen Christine Koschel und Harald Hartung, Durs Grünbein sowie Patrizia Cavalli und Jan Wagner teil. Der berühmte Dichter und Verleger Michael Krüger stellte mit dem in München lebenden, italienischen Dichter Federico Italiano und dem italienischen Literaturkritiker und Redakteur Paolo Febbraro, u.a. Redakteur einer angesehenen Lyrikkolumne in der Tageszeitung „Il Sole 24ore – la Domenica“, die auf deutsch erschienene „Anthologie italienischer Lyrik der Gegenwart“ vor.

Den Lyrik-Lesungen traten Lesungen zu kulturpolitischen Themen und aktuellen Fragen der deutsch-italienischen Beziehungen zur Seite. Hier wurden folgende Autoren präsentiert: Angelo Bolaffi („Deutsches Herz. Das Modell Deutschland und die europäische Krise“), Maike Albath („Rom. Träume. Moravia, Pasolini, Gadda und die Zeit der Dolce Vita“, anwesend bei der Präsentation war die Journalistin Vanna Vannuccini), Jürgen Trabant („Globalesisch oder was? Ein Plädoyer für Europas Sprachen“) und Paola Sorge („Kabarett! Satira, politica e cultura tedesca in scena dal 1901 al 1967“). Claus Offe von der Hertie School of Governance Berlin und Angelo Bolaffi debattierten gemeinsam über Deutschland und Europa.

Eine weitere Lesungsreihe ist schließlich dem Fachbereich der italienischen Germanistik gewidmet, in dem die Goethe-Studien einen breiten Raum einnehmen. Es nahmen teil: Luigi Reitani (Herausgabe des „Carnevale Romano“),  Gabriella Catalano („Goethe, una biografia“), Fabrizio Cambi über Vittorio Santoli , Übersetzer und Kommentator von „Faust I“ und Roberto Zapperi („Eros a Venezia. Gli epigrammi veneziani di Goethe“). Weiterhin wurden die italienische Übersetzung von E. T. A. Hoffmanns „Nachtstücken“ („I notturni“), das „Lessico mitologico goethiano“ (herausgegeben von Michele Cometa und Valentina Mignano) und schließlich mit Dr. Giovanna Targia, Warburg Spezialistin,  eine neue Übersetzung von Goethes „Morphologie“ („Morfologia“) präsentiert.

Sämtliche Lesungen werden häufig in Zusammenarbeit mit Universitäten sowie anderen italienischen oder internationalen Instituten veranstaltet.

Die Casa di Goethe als ein Ort der italienischen und deutschen Germanistik

Wie aus dem gesamten Veranstaltungsprogramm hervorgeht, wurde die bewährte Zusammenarbeit mit den Universitäten (vor allem den römischen) erfolgreich fortgesetzt. Im Januar 2014 wurde die Gesprächsreihe „Büchneriana“ mit Claudio Zambianchi (Universität La Sapienza, Rom)  erfolgreich abgeschlossen. Im Mai fand in Zusammenarbeit mit der Universität La Sapienza Rom sowie dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) ein Symposium statt, das die Übersetzung der Werke des Dichters Durs Grünbein zum Thema hatte: „Durs Grünbein in traduzione. Due casi di studio: Inglese e italiano“. Hier waren auch die Universitäten Bologna und Oxford vertreten. Die Casa di Goethe hat weiterhin kooperiert mit dem Istituto Italiano di Studi Germanici, der deutschen Botschaft, dem Forum Austriaco und der Villa Massimo.

Kulturelle Bildung

 

Es wurden zahlreiche Führungen für Schulklassen sowohl in deutscher als auch in italienischer Sprache durchgeführt. In Kooperation mit dem Goethe-Institut Rom fanden im Foyer und Auditorium des Goethe-Instituts anlässlich des Holocaust-Gedenktages eine Buchpräsentation („Perché Piero Terracina ha rotto il suo silenzio”) sowie eine Ausstellung mit Fotografien statt.

Veranstaltungen gemeinsam mit der Stadt Rom:

Die Casa di Goethe hat an folgenden „events“ und Sonderveranstaltungen der Stadt Rom teilgenommen: „OPEN HOUSE“ (freier Eintritt), „NACHT DER MUSEEN 2014“ (Eintritt 1 Euro), „TRABI GOES GOETHE “ (anlässlich des 25. Jahrestags des deutschen Mauerfalls, freier Eintritt), und „MUSEI IN MUSICA „(freier Eintritt).

Kooperationen der Casa di Goethe

Unter den vielen  Kooperationen sei insbesondere Folgendes hervorgehoben:

Mit der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau wurde die Ausstellung „ Sammeln und Zeichnen. Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff in Rom“ erfolgreich organisiert.

Vom 12. bis zum 14. September 2014 hat die Casa di Goethe mit vier Veranstaltungen und einem eigenen Stand an der XIII. deutsch-italienische Kulturbörse in Trapani teilgenommen.

Stipendienprogramm:

Dank der Förderung der Karin und Uwe Hollweg-Stiftung konnte das Stipendienprogramm in der Casa di Goethe auch 2014 fortgesetzt werden. Jury-Mitglieder sind: Prof. Dr. Angelo Bolaffi (Rom), Prof. Dr. Dieter Richter (Bremen) und Prof. Dr. Susanne Popp (Karlsruhe). Die Stipendiaten erhalten neben dem kostenfreien Zimmer im 2. Stock der Casa di Goethe 1500 Euro pro Monat. In diesem Jahr waren folgende Stipendiaten präsent:

Nora Bossong, Schriftstellerin und Kulturwissenschaftlerin (Dezember 2013-Januar 2014; Romanprojekt unter anderem zu Antonio Gramsci).

Stella Tinbergen, Filmemacherin (Februar bis April; Film über den russischen Tänzer Alexander Sacharow, der seit 1952 in Rom lebte und auf dem protestantischen Friedhof „cimitero acattolico“ begraben ist).

Christine Künzel, Literaturwissenschaftlerin (Mai bis Juni; Projekt zu Gisela Elsners Zeit in Rom von 1962 bis 1964).

Carla Heussler, Kunsthistorikerin (September bis Oktober; Projekt über die Präsenz von Künstlern aus Südwestdeutschland in Rom).

Antje Fey-Jensen, Journalistin (November bis Dezember; Recherchen über Anna Magnani).

Nora Bossong, Stella Tinbergen und Christine Künzel haben über ihr jeweiliges Thema einen Vortrag in der Casa di Goethe gehalten. Carla Heussler plant nach ihren Rom-Recherchen und den dabei gewonnenen neuen Ergebnissen eine Publikation über Joseph von Kopf, Mitglied des Deutschen Künstlervereins in Rom, die wir verlegen wollen.

 

Bibliothek:

Bezüglich der Bibliothek des Deutschen Künstlervereins lässt sich eine außerordentlich positive Nachricht vermelden. Diese historische Sammlung von Büchern, deren ältester Bestandteil auf das Jahr 1821 zurückgeht, umfasst ca. 4500 Bände, die nach dem zweiten Weltkrieg auf verschiedene deutsche Institute in Rom verteilt worden waren. 2012 wiedervereinigt, fand die Bibliothek gemeinsam mit dem von der Bibliotheca Hertziana ebenfalls dem Museum übergebenen Archiv des Deutschen Künstlervereins ihren endgültigen Standort in der Casa di Goethe. Die Bücher, eine erstrangige Quelle der deutsch-römischen Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts, sind bislang niemals katalogisiert oder wissenschaftlich bearbeitet worden.

Um eine solche Bearbeitung zu ermöglichen, war 2013 gemeinsam mit Professor Michael Thimann (Göttingen) ein Antrag für eine Postdoktorandenstelle bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft gestellt worden, der im Januar 2015 bewilligt wurde.

Der Inhaber dieser auf drei Jahre befristeten DFG-Stelle wird sich mit der Katalogisierung und  Erschließung der Bücher der Bibliothek befassen. In diesem Zusammenhang soll der bislang als Gästezimmer genutzte Raum im zweiten Stock in ein „studio“ (Arbeitszimmer) verwandelt werden, in dem auch das Archiv des Deutschen Künstlervereins, bislang in einem Büroraum untergebracht, seinen endgültigen Standort finden wird. Somit werden die Räumlichkeiten des zweiten Stockwerks als „Haus des Deutschen Künstlervereins“ einen eigenen Charakter gewinnen, wodurch die Casa di Goethe um eine hochwichtige Dimension erweitert wird.

Sammlung:

Für die Sammlung des Museums wurden folgende Neuerwerbungen getätigt:

Eduard Magnus (1799-1871), vier Zeichnungen mit Ansichten der römischen Campagna, der Insel Capri und von Pompeji.

Johann Christian Reinhart (1761-1847), sechs Radierungen der Serie „römische Grabmäler“.

Friedrich Eduard Eichens (1804-1877), eine Zeichnung mit einem Porträt von Eduard Daege.

Isolde Ohlbaum (geboren 1953), „TUSCULUM bei Rom“,Verleihung des Petrarca-Preises in Tusculum an Herbert Achternbusch, 1977.

Via Lewandowsky (geboren 1963), zwei Fotografien, „das Fenster im Goethezimmer“ (2014) und „Perspektive“ (2014). Diese letztere Fotografie ist im Tischbein-Atelier aufgehängt und verleiht dem Raum eine zusätzliche architektonische Dimension, auf die die Besucher mit Neugier und Interesse reagieren.

Seit Juni 2014 ist Claudia Nordhoff mit der Erstellung eines Bestandskataloges der Gemälde, Zeichnungen und Druckgraphik der Casa di Goethe beschäftigt. Dieser Katalog wird voraussichtlich 2016 anlässlich des 230. Jubiläums von Goethes Ankunft in Rom erscheinen.

Publikationen:

Im Januar 2014 erschien der zweite Band der Reihe „Incontri Romani“: Martin Mittelmeier, „Adorno a Napoli. Con un saggio di Alfred Sohn-Rethel. Das Ideal des Kaputten. Über neapolitanische Technik / L`ideale del rotto. Sulla tecnica a Napoli“.

Im September 2014 erschien in Kooperation der Casa di Goethe, Rom, und der Anhaltischen Gemäldegalerie, Dessau, der Ausstellungskatalog „Sammeln und Zeichnen. Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff in Rom.( dt/It.)  Petersberg 2014.

Im Dezember 2014 erschien auf Deutsch die neue, erweiterte 2. Auflage des Buches unserer Mitarbeiterin Dorothee Hock, „Via del Corso 18, Roma – Eine Adresse mit Geschichte“. - ital. in der 1. Auflage im Museum erhältlich.

Dank:

Dass dieses umfangreiche Programm durchgeführt werden konnte, verdankt sich der tatkräftigen, bewährten und engagierten Mitarbeit insbesondere von Dorothee Hock wie von Domenico Matilli und Gabriele Gioni. Ich danke Isolde Hendel und weiter Susanne Mille und Alessandra Segatori, die abwechselnd und sehr angagiert den Museumsdienst und die Führungen samstags und sonntags übernehmen. Ein weiterer Dank geht an Claudia Nordhoff, die im Zuge ihrer Arbeit am Bestandskatalog der Kunstsammlung der Casa di Goethe mir die Aufgabe erleichterte, mich schneller mit den Kunstschätzen des Museums vertraut zu machen.

Sie unterstützte mich auch mit fachlichen Ratschlägen bei der Neugestaltung der Museumsräume.

Ein letzter Dank geht schließlich auch an die vielen Kooperationspartner (siehe hierzu die Veranstaltungsliste).

Dr. Maria Gazzetti

Rom, Mai 2015

Liste der Veranstaltungen

Jahresbericht 2015

Jahresbericht 2015

Museum:

Auch in diesem Jahr hatte die Casa di Goethe das Glück, dank einer großzügigen Spende ein bedeutendes Gemälde erwerben zu können. Der Münchner Mäzen Dr. Wilhelm Winterstein ermöglichte den Ankauf des Bildes “Abend unter Pinien” von Ferdinand Bellermann (1814-1889), das einen Blick auf einen Pinienhain im römischen Park Villa Doria Pamphili vorstellt. Bellermann, der gemeinsam mit Alexander von Humboldt Venezuela erforschte, ist heute vor allem für seine südamerikanischen Landschaftsbilder bekannt, doch besuchte er im Laufe seiner ausgedehnten Reisetätigkeit auch Italien. Im November 1853 berichtete der Maler in einem Brief an seine Frau Friederike von einem Besuch des weitläufigen Parks Villa Doria Pamphili: Hier werden die Vorstudien zu unserem Gemälde entstanden sein, das Bellermann sodann 1862 auf der Berliner Akademie-Ausstellung präsentierte. Das Bild kann als “Baum-Porträt” bezeichnet werden, eine Gattung, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Rom von dem Landschaftsmaler Jakob Philipp Hackert populär gemacht wurde. Die Casa di Goethe besitzt bereits vergleichbare Werke von Hackert, dem Schweizer Maler Peter Birmann und dem aus Kassel gebürtigen Johann August Nahl d. J.: Diesen Bildern tritt Bellermanns Gemälde ergänzend zur Seite. Gemeinsam mit Nahls 2014 dem Museum von der Ike und Berthold Roland-Stiftung übergebener Ansicht einer Baumgruppe im römischen Park der Villa Montalto Negroni bildet das Gemälde Bellermanns heute einen Höhepunkt des Raumes mit römischen Ansichten zur Zeit Goethes.

Im Mai 2015 konnte die “Casa di Goethe-App” den Besuchern zur Verfügung gestellt werden: Nun ist es möglich, in deutscher, italienischer und englischer Sprache Informationen zu ausgewählten Werken der Sammlung zu erhalten, die durch Bildmaterial ergänzt werden. Die App fungiert somit auch als Audioguide.

Im Februar 2015 wurde das Team der Mitarbeiter der Casa di Goethe durch Claudia Nordhoff erweitert, die sich um die kunsthistorische Bearbeitung der Sammlung sowie um die Kontakte zu Fachkollegen kümmert.

 

Ausstellungen:

Am 13. Februar wurde die von Elisabeth Galvan kuratierte Schau “Mario und der Zauberer. Thomas Mann und Lucchino Visconti erzählen vom faschistischen Italien” eröffnet, die ihre Entstehung der Zusammenarbeit mit dem Lübecker Buddenbrookhaus, dem Thomas Mann Archiv, Zürich, der Università di Napoli l`Orientale, der deutschen Thomas Mann- Gesellschaft (Sitz Lübeck) und der Associazione Italiana di Studi Manniani (AISMANN) verdankt. In vier Sektionen wurden die Entstehungsgeschichte, die politischen Hintergründe und die italienische Rezeption der berühmten Novelle Manns beleuchtet. Ein besonderer Schwerpunkt der Ausstellung war die von Visconti 1956 an der Mailänder Scala inszenierte “azione coreografica”, zu der Franco Mannino die Musik komponierte: Erstmals konnten hier die Bühnen- und Kostümbilder von Lila de Nobili gezeigt werden, die für diese einmalige Aufführung entworfen worden waren. Ziel der Ausstellung war, Thomas Manns luzide Erzählung über das Italien der 1920er Jahre auch einem breiteren italienischen Publikum nahezubringen: Die positive Resonanz sowohl in der Presse als auch bei den Besuchern zeigt, dass dies gelungen ist.

Auf Grund des großen Publikumsinteresses wurde von Mai bis September des Jahres die Ausstellung “Der Himmel über Rom. Deutsche Maler und italienische Landschaft” mit eigenen Werken der Casa di Goethe erneut präsentiert.

Schließlich folgte am 24. September die Eröffnung der Ausstellung „Lady Hamilton: Eros und Attitüde. Schönheitskult und Antikenrezeption in der Goethezeit“. Die von der Casa di Goethe initiierte und von Dieter Richter kuratierte Schau beschäftigte sich mit dem Leben einer der außergewöhnlichsten Frauenfiguren des 18. Jahrhunderts. Emma Hamilton, Gattin des britischen Gesandten am neapolitanischen Königshof, Sir William Hamilton, entwickelte eine an den Vorbildern antiker Statuen orientierte Art des Ausdruckstanzes, die sie selbst als „Attitüden“ bezeichnete. Damit faszinierte sie nicht nur die Bildungsreisenden aller Nationen sondern auch eine Vielzahl von Künstlern, die Emma in den verschiedensten Posen und Haltungen porträtierten. Zu den Malern, die Emma Hamilton am häufigsten darstellten, gehörten Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Hauptmieter in der Via del Coso 18 und enger Freund Goethes, sowie der ebenfalls gut mit Goethe bekannte Friedrich Rehberg. Auch der Dichter selbst wohnte einer ihrer Vorstellungen bei und beschrieb sie sodann ausführlich im Reisetagebuch: Es lag folglich nahe, eine Ausstellung über Lady Hamilton gerade in den Räumen der Casa di Goethe zu veranstalten. Die von einem aufwendig gestalteten Katalog begleitete Schau stieß auf große Resonanz beim Publikum; sowohl die italienische als auch die deutsche Presse beschäftigten sich ausführlich damit. Von Juni bis September 2016 wird die Ausstellung in Wörlitz zu sehen sein.

 

Ausstellungsbegleitende Veranstaltungen:

Am 26. März fand in Zusammenarbeit mit der Università di Napoli L'Orientale und der Associazione Italiana di Studi Manniani (AISMANN) ein Studientag  zum Thema: „Mario e il mago. La storia e le sue trasposizioni“ statt. Am 18. April folgte eine Lesung der Erzählung Thomas Manns in italienischer Übersetzung, die von Cristian Giammarini und Giorgio Lupano dargeboten wurde.

Am 26. Juni veranstaltete die Casa di Goethe im Hotel Regina in Forte dei Marmi eine szenische Lektüre von Thomas Manns Erzählung “Mario und der Zauberer” mit Cristian Giammarini und Giorgio Lupano statt. Elisabeth Galvan führte in den Abend ein.

Im Sommer wurde dem Publikum erstmalig eine neue Art der Werkbetrachtung angeboten: Claudia Nordhoff beschäftigte sich im Juni, Juli und August in drei Vorträgen mit einzelnen Exponaten der Ausstellung „Der Himmel über Rom“, wobei die Zuhörer die Möglichkeit hatten, den Ausführungen direkt vor den Kunstwerken der Ausstellung zu folgen. Bereits im Januar gab es einen Spaziergang durch die Ausstellung mit der für den „Corriere della Sera“ tätigen  Kulturjournalistin Lauretta Colonelli, die anschließend ihr Buch „Conosci Roma?“ vorstellte.

Im Dezember veranstalteten Michaela Andreozzi und Massimiliano Vado eine szenische Lesung zu Lady Hamilton: „L`amante del vulcano – Lady Hamilton, epistolari e romanzi“.

Zu sämtlichen Ausstellungen der Casa di Goethe wurden Sonderführungen angeboten.

Literatur in der Casa di Goethe

Auch im Jahr 2015 wurde den Besuchern eine Vielzahl von Lesungen zum Teil mit hochrangigen, international bekannten Autoren geboten. Herausragend war die Begegnung mit dem „Lieblings-Enkel“ Thomas Manns, Frido Mann, der im Rahmen der „incontri romani“ aus seinem Buch „An die Musik. Ein autobiographischer Essay“ las und anschließend dem Publikum für Fragen zur Verfügung stand. Der von Maria Gazzetti moderierte Abend wurde von den Besuchern mit großem Beifall aufgenommen. Auf ebenso positive Resonanz stieß die Lesung Hanns-Josef Ortheils, der sein neuestes Werk „Rom, Villa Massimo. Roman einer Institution“ präsentierte. Der Gewinner des Deutschen Buchpreises 2014, Lutz Seiler, stellte unter großer Anteilnahme des Publikums seinen Erfolgsroman „Kruso“ vor.

Wie bereits im Vorjahr wurden auch 2015 deutsche und italienische Lyriker eingeladen, ihre Werke in der Casa di Goethe vorzutragen. Dazu gehörten Federico Italiano, dessen „Memorie d`acqua dolce/Erinnerungen an Süßwasser“ von Edoardo Albinati präsentiert wurden, und Anna Maria Carpi („Entweder bin ich unsterblich“). Der Romanautor und Dichter sowie legendäre Verlagslektor des Hanser-Verlags, Michael Krüger, stellte die italienische Übersetzung seines zuletzt erschienenen Lyrikbandes „spostare l`ora“ vor.

Erneut wurde italienischen und deutschen Fachwissenschaftlern breiter Raum gewährt, ihre Goethe-Studien vorzustellen. In einer gemeinsam mit der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung organisierten Veranstaltung diskutierten der Historiker Arnold Esch und der Schriftsteller Federico Zapperi über „Goethe, Humboldt und das Italienbild der Deutschen“; der Präsident der Akademie, Heinrich Detering, moderierte. Arnold Esch hatte bereits im Januar sein Buch „Die Lebenswelt des europäischen Spätmittelalters. Kleine Schicksale selbst erzählt in Schreiben an den Papst“ in einem Vortrag und einer Lesung vorgestellt. Der Literaturwissenschaftler Ulrich Gaier hielt einen Vortrag zum Thema „der neuplatonische Faust“, und Gianluca Paolucci (Istituto Italiano di Studi Germanici) sprach über sein Buch „Ritualità massonica nella letteratura della Goethezeit”. Paul Kahl, Literaturwissenschaftler, erläuterte seine Forschungen zum Thema der Entstehung des Goethe-Nationalmuseums in Weimar. Dieser Abend wurde von Hellmut Th. Seemann, Präsident der Klassik Stiftung Weimar, moderiert.

Nach bewährter Tradition wurden in der Casa di Goethe die Stipendiaten des Jahres 2015 der Villa Massimo vorgestellt: Die Schriftsteller Eva Menasse und Steffen Popp lasen aus ihren Werken.

2015 waren im krisengeschüttelten Europa Fragen zu den aktuellen deutsch-italienischen Beziehungen sowie zu länderverbindenden, kulturpolitischen Themen vielleicht wichtiger denn je. In diesem Rahmen stellten Simone Buttazzi und Gabriella di Cagno ihren alternativen Berlin-Führer „Il mito di Goethe alla rovescia“ vor, der Italienern Einblicke in das Leben in Berlin vermitteln soll. Dieter Borchmaier ging der Frage nach Goethe und dem „Italien-Weh“ der Deutschen nach und beschäftigte sich mit der „Identitätssuche der Deutschen im `Anderen`“ (in Zusammenarbeit mit Heidelberg Alumni Italien und der Gesellschaft für deutsche Sprache, Zweigverein Rom).

Einen Beitrag zur deutsch-italienischen Verständigung der besonderen Art bot schließlich Dacia Marainis biographisch gefärbter Vortrag zu Goethes „Italienischer Reise“, der auf große Resonanz beim Publikum stieß.

Die Casa di Goethe als Begegnungsstätte der deutschen und italienischen Germanistik:

Auch 2015 wurde die bewährte Zusammenarbeit mit italienischen Universitäten fortgesetzt, so mit der neapoletanischen Università di Napoli l'Orientale. Außerdem kooperierte die Casa di Goethe mit dem Istituto Italiano di Studi Germanici, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, dem Buddenbrookhaus Lübeck, dem Thomas Mann Archiv Zürich, der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft (Sitz Lübeck), Heidelberg Alumni Italien (HAIT) und mit der Associazione Italiana di Studi Manniani AISMANN.

 

Kulturelle Bildung:

Im Sommer 2015 begannen der Autor David Maier und der Berliner Comiczeichner Flix mit der Fortsetzung ihres Hörspiels und Comics „Der junge Goethe“, die Goethes Aufenthalt in Italien gewidmet sein wird. Das Projekt, das vom Goethe-Institut in Kooperation mit der Casa di Goethe getragen wird, richtet sich vor allem an Deutschklassen in Italien, eignet sich jedoch auch für den Erwachsenen-Unterricht (deutsch als Fremdsprache). Das neue Hörspiel nebst Comic soll 2016 erscheinen. - Auch 2015 wurde die Casa di Goethe von einer Vielzahl sowohl deutscher als auch italienischer Schulklassen besucht, die in Sonderführungen mit dem Museum vertraut gemacht wurden. Das „Faust-Paket“ - eine Führung durch das Museum mit Einführung in Goethes „Faust“ sowie der Vorführung des Filmes „Faust wer?“ von Marco Maltauro – wurde ebenfalls von Schülergruppen in Anspruch genommen. Schließlich besuchten auch Studentengruppen mit ihren Professoren die Casa di Goethe, so z. B. von der John Cabot Univerity, Rom.

 

Veranstaltungen gemeinsam mit der Stadt Rom und anderen römischen Partnern:

Die Casa di Goethe hat an folgenden römischen Sonderveranstaltungen teilgenommen: „open house“ (freier Eintritt), und „Musei in Musica“ (freier Eintritt). Bei dieser Veranstaltung präsentierte die bekannte Sängerin Ada Montellanico, begleitet von Francesco Diodati an der Gitarre, ein Jazz-Konzert „wandering“, das von den 300 Besuchern mit großem Beifall aufgenommen wurde.

 

Die Casa di Goethe bei Veranstaltungen des Aski:

Im Oktober fand in Berlin eine vom Aski veranstaltete Fachtagung zum Thema „die Deutsche Digitale Bibliothek – Chancen und Risiken“ statt, an der Claudia Nordhoff als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Casa di Goethe teilnahm.

 

Stipendienprogramm:

Die großzügige Förderung der Karin und Uwe Hollweg-Stiftung ermöglichte auch 2015 das Stipendienprogramm der Casa di Goethe. Die Jury wird aus folgenden Mitgliedern gebildet: Prof. Dr. Angelo Bolaffi (Rom), Prof. Dr. Dieter Richter (Bremen) und Prof. Dr. Susanne Popp (Karlsruhe). Die Stipendiaten wohnen kostenfrei im 2. Stock der Casa di Goethe und erhalten 1500 Euro pro Monat. 2015 waren folgende Stipendiaten anwesend:

Carola Finkel, Musikwissenschaftlerin (Januar-Februar 2015). Forschungsprojekt über skandinavische Komponisten und den „Circolo Scandinavo“ in Rom.

Andreas Kloner, Gerichtsstenograph (März-April 2015 und voraussichtlich Mai 2016). Forschungsprojekt über das noch nicht gesichtete Material zur Präsenz der Deutschen in Rom aus dem Nachlass von Friedrich Noack.

Claudia Kayser-Kadereit, Musikwissenschaftlerin (Mai-Juli 2015). Vorbereitung eines musikalischen Reiseführers auf den Spuren deutscher Musiker in Rom.

Kerstin Schomburg, Fotografin (August-Oktober 2015). Fotografische Recherche zu den Landschaftsgemälden von Jakob Philipp Hackert.

Martina Sitt, Kunsthistorikerin (November-Dezember 2015). Forschungsprojekt einer Neuedition der Lebenserinnerungen Johann Heinrich Wilhelm Tischbeins.

Carola Finkel und Andreas Kloner haben jeweils einen Vortrag über ihr Forschungsvorhaben in der Casa di Goethe gehalten.

 

 

Bibliothek:

Das Forschungsprojekt der Bearbeitung der Bibliothek des Deutschen Künstlervereins, 2012 dem Museum übergeben, konnte erfolgreich fortgesetzt werden. Im Sommer 2015 wurde unter Leitung der Architekten Livia Comes und Paola del Gallo di Roccagiovine das ehemalige Gästezimmer der Casa di Goethe im 2. Stock des Hauses in ein Kabinett des Deutschen Künstlervereins umgebaut. Durch die Verwendung von Glaswänden wurde eine größtmögliche Transparenz gewährleistet: So bietet sich beim Eintritt in die Bibliothek und Veranstaltungsräume im 2. Stock heute ein Blick direkt in diesen Arbeitsraum, in dem das Archiv des Künstlervereins untergebracht werden soll. Hier arbeitet seit September 2015 der mit einem Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgestattete Kunsthistoriker Ulf Dingerdissen. Ziel seiner Arbeit ist die Erschließung der Bibliothek des Deutschen Künstlervereins und der vorhandenen Quellen sowie die Erstellung eines online-Kataloges. Das auf mehrere Jahre angelegte Projekt soll mit einer Monographie über „Künstlerwissen und Künstlerlektüre im Rom des 19. Jahrhunderts“, in Zusammenarbeit mit Michael Thimann von der Universität Göttingen, abgeschlossen werden. - Die Räume im zweiten Stock wurden schließlich nach Absprache auch privat geführten Gruppen zur Verfügung gestellt, die dort eigene Seminare abhielten.

Sammlung:

Für die Sammlung der Casa di Goethe wurden folgende Neuerwerbungen getätigt:

Jakob Philipp Hackert (1737-1807), Zeichnung „Wanderer bei Priverno“.

Henri Grevedon (1776-1860), nach Elisabeth Vigée-Lebrun (1755-1842), Radierung, „Porträt der Lady Emma Hamilton als Sibylle“.

Heinrich Dreber (1822-1875), Gemälde, „Römische Landschaft mit badenden Frauen“.

Ferdinand Bellermann (1814-1889), Gemälde, „Abend unter Pinien (in der Villa Doria Pamphili in Rom)“

Anonym, Aquarell, „Blick auf das Aquädukt der Aqua Claudia in der Campagna Romana“.

Claudia Peill (geboren 1963), Fotografie, „sottovetro“.

 

Richard de Saint-Non, übersetzt von Johann Heinrich Keerl: (Buch, 6 Bände), „Neapel und Sizilien. Ein Auszug aus dem großen und kostbaren Werke: Voyage pittoresque de Naples et Sicile, de Mr. De Non“, Gotha 1790-1806).

 

Publikationen:

Ausstellungskatalog „Lady Hamilton. Eros und Attitüde. Schönheitskult und Antikenrezeption in der Goethezeit / Lady Hamilton. Eros e Attitude. Culto della bellezza e antichità classica nell'epoca di Goethe“. Herausgegeben von Dieter Richter und Uwe Quilitzsch, Petersberg (Michael Imhof Verlag) 2015.

Dank:

 

Ohne die engangierte Unterstützung der Mitarbeiter der Casa di Goethe hätte dieses reichhaltige Programm nicht verwirklicht werden können. Mein Dank gilt Dorothee Hock, Claudia Nordhoff, Pina Middendorf, Domenico Matilli und Gabriele Gioni, die mir stets tatkräftig zur Seite standen. Ebenso danke ich Susanne Mille und Alessandra Sartori für den Museumsdienst und die Führungen an den Wochenenden. 2015 wurde das Museum von folgenden Praktikanten unterstützt: Anne Orschiedt, Julia Dieter, Clara Werger, Barbara Miletic, Ronja Primke, Katharina Hermann, Amelie Gerhard und Elena Isabel Schmidt. Auch ihnen sei gedankt. Bedanken möchte ich mich nicht zuletzt bei den vielen Kooperationspartnern der Casa di Goethe (siehe die Veranstaltungsliste), die das reich gefächerte Angebot unseres Museum mitzutragen halfen.

 

 

Jahresbericht 2016

Jahresbericht 2016

Museum:

Das Jahr 2016 stand ganz im Zeichen eines besonderen Jubiläums: Der nicht-katholische Friedhof Roms, an der antiken Pyramide des Caius Cestius gelegen, feierte sein 300jähriges Bestehen. Dieses Ereignis gab Anlass zu einer Ausstellung, die von der Casa di Goethe gemeinsam mit der Leitung des Friedhofs organisiert wurde und mit deren Vorbereitung alle Mitarbeiter des Museums intensiv beschäftigt waren.

2016 besaß auch aus einem anderen Grund eine Bedeutung: Im Oktober jährte sich zum 200. Mal das Erscheinen des 1. Bandes von Goethes „Italienischer Reise“, was durch eine Ausstellung mit eigens zum Thema ausgeführten Werken von drei Künstlerinnen – die Italienerinnen Elisa Montessori und Claudia Peill sowie die Deutsche Michaela-Maria Langenstein, die seit Jahren in Rom lebt - gewürdigt werden sollte. Die Ausstellung wurde zuerst in der italienischen Botschaft in Berlin, dann in der Casa di Goethe gezeigt. Zur Eröffnung im März 2016 reisten die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Museums mit Maria Gazzetti in die Bundeshauptstadt und feierten dort in der italienischen Botschaft gemeinsam mit dem italienischen Botschafter und vielen geladenen Gästen.

Schließlich erhielt das Museum eine ganz besondere Leihgabe: Der in Rom lebende, bedeutende italienische Gegenwartskünstler Luigi Ontani überreichte Maria Gazzetti bei einem „Fest für ein Bild“ im Mai eine große,  auf Leinwand montierte und in einem runden, goldenen Rahmen gefasste Fotografie, die ihn selbst in der Haltung Goethes aus Tischbeins berühmtem Porträt des Dichters als „Wanderer auf dem Obelisk“ zeigt. Ontani stellt sich selbst ins Zentrum seiner Arbeit:  Fotografie, Tableau Vivant, Malerei, Skulptur, Keramik und Performance gehören zu seinen Ausdrucksformen, in denen er beispielsweise die Vorbilder berühmter Gemälde nach-inszeniert und zum lebenden Modell der Geschichte wird. Bei dem „Fest für ein Bild“ herrschte großer Besucherandrang, und viele Römer und Romdeutsche nutzten die Gelegenheit, sich mit dem Künstler auszutauschen. Nun hängt Ontanis „Goethe“ im Tischbein-Atelier und bildet einen eindrucksvollen Kontrast zu dem großen Gemälde Tischbeins, das es wie ein modernes Spiegelbild reflektiert.

Ausstellungen:

Am 17. Januar 2016 wurde die Ausstellung „Lady Hamilton: Eros und Attitüde. Schönheitskult und Antikenrezeption in der Goethezeit“ beendet, die seit dem 24. September 2015 mit großem Erfolg gezeigt worden war.

Am 5. Februar wurde die von Maria Gazzetti kuratierte Ausstellung „Reisenotizen. Barbara Klemm – Fotografieren auf Goethes Spuren“ im Beisein der Fotografin, der Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland Susanne Wasum-Rainer, die die Eröffnungsrede hielt, und des Beauftragten des Bundeskulturministeriums Dr. Horst Claussen, eröffnet. Die vor allem als gesellschaftspolitische Chronistin bekannte Barbara Klemm, die jahrelang für die Frankfurter Allgemeine Zeitung fotografierte, wurde 2012 von der ALTANA Kulturstiftung dazu angeregt, den Spuren des Zeichners Goethe zu folgen. So vollzog sie die Reisen und Wanderungen des Dichters durch Böhmen und Deutschland, Italien und die Schweiz nach und fotografierte die Orte, die Goethe in Skizzen und Tuschezeichnungen festgehalten hatte. Dabei ging es nicht einfach um ein Nach-Fotografieren, sondern um die eigene künstlerische Erfahrung vor Ort. Barbara Klemm wählte persönlich 45 Schwarz-Weiß-Fotografien aus und verteilte sie in den Ausstellungsräumen der Casa di Goethe, wo sie durch eine kleine Auswahl von Goethes Zeichenmotiven ergänzt wurden. Diese Ausstellung, die zuvor in Bad Homburg und im Weimarer Goethe-Museum gezeigt worden war, stieß auf eine große Resonanz beim Publikum, das sich von der Schönheit und athmosphärischen Dichte der Fotografien gefangennehmen ließ.

Am 7. Juni wurde die Ausstellung „Con Goethe in Italia“ eröffnet, mit der an den 200. Jahrestag des Erscheines des 1816 publizierten, ersten Bandes von Goethes Reisewerk der „Italienischen Reise“ erinnert werden sollte. Eigens für diese Ausstellung hatten die drei Künstlerinnen Michaela-Maria Langenstein, Elisa Montessori und Claudia Peill sich mit Goethes in Italien entwickelter Idee der Urpflanze und seiner italienischer Reise insgesamt auseinandergesetzt und daran inspirierte Werke geschaffen. Die Ausstellung, in Rom bis Mitte September zu sehen, wurde zuvor vom 1. März bis Mitte Mai 2016 in der italienischen Botschaft in Berlin gezeigt, wo sie gemeinsam mit dem italienischen Kulturinstitut Berlin organisiert worden war. Sie wurde am 1. März in Berlin vom italienischen Botschafter Pietro Benassi und dem Ministerialdirektor Dr. Günther Winands, als Vertreter von Staatsministerin Prof. Monika Gruetters in Anwesenheit von Vertretern des Aski feierlich  eröffnet .

 

Am 22. September schließlich wurde die lange vorbereitete Ausstellung „Am Fuße der Pyramide. 300 Jahre Friedhof für Ausländer in Rom“ in Anwesenheit mehrerer Botschafter in Rom, mehrerer Museumsdirektoren und Leihgebern aus dem Ausland feierlich eröffnet. Das Projekt stand unter der wissenschaftlichen Leitung von Nicholas Stanley-Price und unter der Schirmherrschaft der 15 Botschafter (Australien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Griechenland, Großbritannien, Irland, Kanada, Niederlande, Norwegen, Russland, Schweden, Schweiz, Südafrika, USA), die den Friedhof unter der Präsidentschaft von S.E. Peter McGovern, Botschafter Kanadas in Italien verwalten und die alle bei der Eröffnung anwesend waren. Es gelang den Organisatoren, Gemälde aus Privatbesitz sowie europäischen und amerikanischen Museen als Leihgaben zu erhalten, die zum Teil noch nie öffentlich ausgestellt waren – darunter ein hochwichtiges Bild von Edvard Munch, für das besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden mussten. Die Ausstellung stieß auf große Resonanz sowohl beim Publikum als auch bei der Presse; so berichteten beispielsweise die Süddeutsche Zeitung, die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die italienischen Zeitungen „Il Corriere della Sera“ und „La Repubblica“ , aber auch „L`Unita`“ oder „Il Fatto quotidiano“ und italienische Radiosender ausführlich darüber. Der von der Casa di Goethe herausgegebene Ausstellungskatalog erschien in drei Sprachen und liefert grundlegende Forschungsbeiträge zum Thema.

Das Jahr 2016 klang aus mit der am 29. November eröffneten Ausstellung „Konstellation 1. Zeichen und Spuren deutscher Geschichte – aufgesammelt in Rom“, die von Giuseppe Garrera kuratiert worden ist. Garrera präsentiert „deutsche Fundstücke“, die er selbst in Jahren des Sammelns auf römischen Flohmärkten und bei Haushaltsauflösungen zusammengetragen hat. Hier werden drei herausragende deutsche Persönlichkeiten dokumentiert, die in Italien lange gelebt haben – der Naturwissenschaftler und Leiter des Neapolitanischen Aquariums Reinhard Dohrn, der Maler Ernst Stadelmann und der Psychoanalytiker Ernst Bernhard -, deren Briefe, Bücher und Kunstwerke Garrera auf Trödelmärkten sicherstellen und vor der Vernichtung oder Verstreuung retten konnte. Auf diese Weise wird ein Stück deutscher Geschichte in Rom rekonstruiert, wobei die einzelnen Exponate – wie etwa ein Holzschnitt Dürers oder Originalgraphiken von Manet und Renoir – auch unabhängig von ihrer Herkunft von Bedeutung sind.

 

Ausstellungsbegleitende Veranstaltungen:

Am 18. Februar fand im Rahmen der Ausstellung „Con Goethe in Italia“ und in Kooperation mit dem Italienischen Kulturinstitut in Berlin ein Gespräch zwischen den Autoren Mario Fortunato und Jan Koneffke zum Thema „Über Goethes Reise nach Italien“ statt. Mit diesem Gespräch wurde gleichzeitig ein Band aus der Reihe der „Incontri Romani (Römische Begegnungen)“ veröffentlicht. Diese Serie wird ab jetzt unter dem neuen Namen „Rom trifft Berlin – Berlino incontra Roma“ in Kooperation mit dem Italienischen Kulturinstitut in Berlin fortgeführt.

Am 13. Oktober hielt der Kurator der Ausstellung „Am Fuße der Pyramide. 300 Jahre Friedhof für Ausländer in Rom“, Nicholas Stanley-Price, einen Vortrag zum Thema. Mario Fortunato las am 29. Oktober aus einer eigens für die Ausstellung verfassten Erzählung mit dem Titel „Piramide“.

Zu sämtlichen Ausstellungen der Casa di Goethe wurden Sonderführungen angeboten. Für die Ausstellung „Am Fuße der Pyramide. 300 Jahre Friedhof für Ausländer in Rom“ wurden vom Kurator besondere Führungen in englischer Sprache angeboten; außerdem fanden für die Dauer der Ausstellung in der Casa di Goethe jeden Sonnabend Sonderführungen auf dem Friedhofsgelände statt.

 

Literatur in der Casa di Goethe:

Auch 2016 bot die Casa di Goethe den Besuchern die Möglichkeit, deutsche und italienische Schriftsteller zu treffen und aus ihren Werken lesen zu hören. Zu Beginn stand die Begegnung mit Friedrich Christian Delius, der am 28. Januar aus seinem Buch „Die linke Hand des Papstes“ las. Am 23. März präsentierte Durs Grünbein „Die Jahre im Zoo. Ein Kaleidoskop“, und Peter Schneiders „Gli amori di mia madre“ wurde am 28. Juni von Antonio di Bella und Marta Nuti vorgestellt und gelesen. Am 18. November schließlich wurde die Übersetzung ins deutsche von Valerio Magrellis Buch „Vom heimlichen Ehrgeiz, ein Bleistift zu sein“, im Beisein des Autors von dessen Lektor beim Hanser Verlag in München, Piero Salabé präsentiert.

Wie in jedem Jahr wurden italienische und deutsche Fachwissenschaftler eingeladen, ihre Studien zu Goethe und zur deutschsprachigen Literatur allgemein vorzustellen. Am 15. Januar präsentierte der Germanist und Professor an der Universität Parma, Stefan Oswald, sein Buch „Früchte einer großen Stadt – Goethes venezianische Epigramme“. Der Autor und Redakteur des Feuilletons der Süddeutschen Zeitung, Lothar Müller, sprach in einem Vortrag am 31. März über „Goethe und die Zeitungen“. Am 25. Mai stellten Jan Bürger und Annette Korolnik-Andersch in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Institut Rom das Buch „Cento passi di distanza. Alfred Andersch – Max Frisch. Lettere tra amici“ vor, in dem erstmalig der Briefwechsel von Frisch und Andersch in italienischer Sprache zugänglich gemacht wird. Paola Sorge präsentierte ihre italienische Übersetzung des Buches von Karl Kraus, „La terza notte di Valpurga“, am 14. Juni.

Am 14. und 15. April fand in der Casa di Goethe in Zusammenarbeit mit der Fondazione Camillo Caetani eine internationale Tagung zum Thema „Rilke und Italien“ statt. Den Teilnehmern bot sich die Möglichkeit, Vorträge zu Rainer Maria Rilkes Verhältnis etwa zur italienischen Kunst und zu dem Dichter Petrarca oder zu seinen Aufenthalten in Venedig, Florenz und Neapel zu hören. Zu den Vortragenden zählten u. a. Ulrich von Bülow vom Deutschen Literaturarchiv Marbach, Marino Freschi von der römischen Universität Roma Tre, Sergio Corrado von der Universität L`orientale in Neapel und Achim Aurnhammer von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Die Fondazione Caetani ermöglichte einen Besuch des Palazzo Caetani, in dessen Bibliothek eine dokumentarische Ausstellung zu Rilke und Marguerita Caetani gezeigt wurde.

Inzwischen bewährte Tradition ist die Vorstellung der Schriftsteller-Stipendiaten der Villa Massimo in der Casa di Goethe. In diesem Jahr lasen am 6. Dezember Heike Geißler, Hartmut Lange und Nina Jäckle aus ihren Werken und faszinierten die Zuhörer durch die Verschiedenheit ihrer Texte und Sprache.

Die Casa di Goethe als Begegnungsstätte deutscher und italienischer Germanistik

Wie im Vorjahr wurde die Zusammenarbeit mit deutschen und italienischen Instituten und Universitäten fortgesetzt; so kooperierte die Casa di Goethe mit dem Deutschen Literaturarchiv, Marbach, dem Italienischen Kulturinstitut Berlin, dem Schweizer Institut Rom, und dem Forum Austriaco di Cultura Rom.

Veranstaltungen gemeinsam mit der Stadt Rom und anderen römischen Partnern:

Am 7. und 8. Mai nahm die Casa di Goethe an der 5. Edition des “Open House” teil (freier Eintritt in das Museum), die von der Associazione Open City Roma organisiert wurde. Im August war die Casa di Goethe Partner des italienischen Automobilclubs ACI (Mitglieder erhielten reduzierte Eintrittskarten).

Kulturelle Bildung, Musik und Kunstgeschichte in der Casa di Goethe:

2016 wurde auch die Kunst und Kultur des 18. und 19. Jahrhunderts in Veranstaltungen und Vorträgen beleuchtet.

Wie schon im Vorjahr wurde Goethes Geburtstag am 28. August mit einem Vortrag von Claudia Nordhoff gefeiert, die über Goethes Künstlerfreunde in der Via del Corso 18 sprach: “Mi sono inserito nel loro menage – Goethe e i suoi amici artisti a Roma”

Am 29. September sprach Martina Sitt, Professorin für Kunstgeschichte in Kassel, über Malerinnen aus der Familie des Goethe-Tischbein, “Tischbeins vergessene Schwestern”. Der Architekturhistoriker Hansgeorg Bankel hielt am 19. Oktober einen Vortrag über “Carl Rottmanns italienische Landschaften”, und der emeritierte Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Rom, Arnold Esch, sprach am 10. November über “Ferdinand Gregorovius Wanderjahre in Italien”. Auch der Musik wurde 2016 Raum gegeben: Am 17. März hielt Claudia Kayser-Kadereit (Universität Osnabrück) einen mit Musikbeispielen untermalten Vortrag über “Deutsche Musiker des 18. und 19. Jahrhunderts in Rom”, und am 17. Juni gab der Kontrabassist Massimo Ceccarelli ein Konzert, das zusammen mit der Universität Roma Tre Orchestra organisiert wurde.

Stipendienprogramm:

Gefördert von der Karin und Uwe Hollweg-Stiftung, konnte auch 2016 das Stipendienprogramm der Casa di Goethe erfolgreich fortgesetzt werden. Mitglieder der Jury sind: Prof. Dr. Angelo Bolaffi (Rom), Prof. Dr. Dieter Richter (Bremen) und Prof. Dr. Susanne Popp (Karlsruhe). Das Stipendium beinhaltet das kostenfreie Zimmer im zweiten Stock der Casa di Goethe sowie einen monatlichen Beitrag von 1500 Euro. Es waren folgende Stipendiaten anwesen:

Michaela Schäuble, Sozialanthropologin (Januar und Juli-August 2016). Forschungsprojekt über Tarantismus und Totenklage in Süditalien.

Thomas Reiser, Germanist (April 2016), Forschungsprojekt einer neuen Übersetzung von Andrea Palladios Rom-Reiseführer.

Andreas Kloner, Autor und Parlamentsstenograph (Mai 2016). Forschungsprojekt über das noch nicht gesichtete Material zur Präsenz der Deutschen in Rom aus dem Nachlass von Friedrich Noack.

Martina Sitt, Kunsthistorikerin (September-Oktober 2016). Forschungsprojekt einer Neuedition der Lebenserinnerungen Johann Heinrich Wilhelm Tischbeins.

Claudia Sedlarz-Riedinger, Kunsthistorikerin (November-Dezember 2016). Forschungsprojekt über Friedrich Rehberg in Rom.

Martina Sitt und Claudia Sedlarz-Riedinger haben jeweils einen Vortrag über ihr Forschungsvorhaben gehalten.

Andreas Kloner hielt im Mai einen Kurs zur Gabelsberger-Stenographie in den Räumen der Casa di Goethe ab.

Bibliothek:

Der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützte Kunsthistoriker Ulf Dingerdissen hat 2016 die Arbeit an der Erschließung der Bibliothek des Deutschen Künstlervereins fortgesetzt: Dabei geht es vor allem um die Rekonstruktion der wechselhaften Geschichte der Vereinsbibliothek  sowie der Auswertung des Quellenmaterials und dessen Aufbereitung im digitalen Bibliothekskatalog der Casa di Goethe.

Sammlung:

2016 konnten zwei herausragende Neuerwerbungen für die Casa di Goethe getätigt werden, die eine große Bereicherung des Museums bilden. Zum einen handelt es sich um sieben Skizzenbücher Friedrich Burys (1763-1823), der gemeinsam mit Johann Heinrich Wilhelm Tischbein und Johann Georg Schütz zu den Mietern des Hauses in der Via del Corso 18 zählte und sich während des Aufenthaltes von Goethe eng an den Dichter anschloss. Die Casa di Goethe besaß bislang keine Werke Burys in ihrer Sammlung, so dass der Erwerb der Skizzenbücher als ausgesprochener Glücksfall bezeichnet werden kann. Bei der zweiten, wichtigen Neuerwerbung handelt es sich ebenfalls um ein Skizzenbuch, von Friedrich Preller d. Ä. (1804-1878). Preller stand seit seiner frühen Jugend mit Goethe in Kontakt, der ihn wohlwollend förderte. In Rom gehörte er zum Deutschen Künstlerverein und kümmerte sich 1830 um das Begräbnis von Goethes Sohn August auf dem nicht-katholischen Friedhof bei der Cestius-Pyramide. Von seiner Hand stammt ein Porträt Goethes auf dem Totenbett. Das erworbene Skizzenbuch dokumentiert einen Aufenthalt Prellers in dem bei den Künstlern beliebten Bergdorf Olevano in der Nähe Roms; es enthält Landschaftszeichnungen aus Olevano, aber auch von anderen Gegenden Roms. Prellers Skizzenbuch ist sowohl auf Grund der einzelnen Zeichnungen als auch durch die Beziehungen des Künstlers zu Goethe und seinem Sohn von Bedeutung für die Casa di Goethe. Es soll gemeinsam mit den Skizzenbüchern Burys in naher Zukunft in einer Ausstellung dem Publikum präsentiert werden.

Weitere Neuerwerbungen:

Luigi Ontani (geboren 1943), „Ehteog nel Gotha RomAmor“ (Leihgabe des Künstlers)

Elisa Montessori (geboren 1931), „Zwei Künstlerbücher“

Michaela-Maria Langenstein (geboren 1952), „Ohne Titel (Goethe)“

Publikationen:

Jan Konnefke, Mario Fortunato: „So denkt an mich als einen Glücklichen. Goethes Italienische Reise/Pensate a me come a un uomo felice. Goethe, Viaggio in Ìtalia“. Band 3 der Reihe „Berlin trifft Rom/Roma incontra Berlino (zuvor Incontri Romani).

Katalogbroschüre „Mit Goethe in Italien/Con Goethe in Italia“. Ein Text von Giuseppe Garrera und zwei Tafeln von Elisa Montessori, Michaela-Maria Langenstein und Claudia Peill. Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung.

Ausstellungskatalog „Am Fuße der Pyramide. 300 Jahre Friedhof für Ausländer in Rom“. Autoren: Nicholas Stanley-Price, Mary K. McGuigan, John F. McGuigan Jr. Katalogreihe der Casa di Goethe, herausgegeben von Maria Gazzetti. Bonn, Arbeitskreis Selbständiger Kulturinstitute, 2016.

Dank:

Auch im Jahr 2016 hätte das reichhaltige Programm der Casa di Goethe nicht ohne die engagierte Unterstützung der Mitarbeiter realisiert werden können. Ich danke Dorothee Hock, Claudia Nordhoff, Pina Middendorf, Domenico Matilli und Gabriele Gioni, die mir stets tatkräftig zur Seite standen. Mein Dank gilt ebenso Susanne Mille und Alessandra Sartori für den Museumsdienst und die Führungen an den Wochenenden. Folgende Praktikanten unterstützten uns 2016: Elena Schmidt,  Eva Mühlbacher, Hannah Scheithauer, Caroline Will und Katharina Grünbichler – auch ihnen danke ich herzlich für ihre Arbeit. Schließlich möchte ich mich bei den vielen Kooperationspartnern der Casa di Goethe bedanken, die an unserem Veranstaltungsangebot mitgewirkt haben.

Rom, Frühjahr 2016

 

Disegnato tutto il giorno

disegnato tutto il giorno.“ I disegni italiani di Goethe

Una mostra della Klassik Stiftung Weimar
in collaborazione con la Casa di Goethe

21.9. - 9.12.2012

Il principe poeta Johann Wolfgang Goethe è stato un disegnatore prolifico: ha realizzato circa 2600 fogli, centinaia con soggetti italiani. Dal 21 settembre al 9 dicembre 2012, in occasione dell'ampliamento della Casa di Goethe, sarà allestita una mostra di 51 disegni originali mai esposti in precedenza. I fogli recentemente restaurati provengono dalle collezioni della Klassik Stiftung Weimar.

Solo con il suo celebre Viaggio in Italia dal 1786-88 e la vita nella comunità degli artisti sul Corso dove si trova oggi il museo tedesco, il disegnatore Goethe riesce a fare passi importanti in avanti. Perché le lezioni private impartite finora al poliedrico poeta e ministro di Weimar non avevano un' impostazione accademica. Nella sua amata Italia Goethe assume il falso nome „Philip Möller, pittore tedesco“, vuole scoprire e sperimentare i suoi talenti. Si prende tutto il tempo di cui ha bisogno. Anche nel Belpaese non riceve un'istruzione accademia, ma lezioni preziose da artisti tedeschi come Johann H.W. Tischbein, Friedich Bury, Christian G. Schütz, Albert C. Dies o Jacob Philipp Hackert. Con il suo „disegnare dalla natura“ quest'ultimo esercita una grande influenza su Goethe, il quale nei decenni successivi riprenderà molti dei soggetti trovati in Italia.

L'intero fondo dei disegni goethiani è stato restaurato recentemente grazie al sostegno dell'Incaricato federale per la Cultura e i Media. Molti i tesori nascosti portati alla luce: solo pochi dei 900 disegni con soggetti italiani sono stati finora pubblicati e portati in mostra. La presentazione nella Casa di Goethe è quindi ora l'occasione per scoprire un materiale assai sconosciuti.

Per tutta la vita Goethe nutre forti dubbi sulla qualità dei suoi lavori artistici. Alla Signora von Stein scrive nel 1776: „Ho disegnato molto, ma vedo bene che non sarò mai artista“. Severo anche il suo giudizio del 1829: „In Italia, allora avevo quarant'anni, fui abbastanza intelligente da conoscere di me quanto bastava per comprendere che non possedevo alcun talento per le arti figurative e che si trattava di un'inclinazione sbagliata“.

La mostra nella Casa di Goethe vuole correggere questa autovalutazione: i paesaggi, tempi, studi di architettura e di anatomia rivelano il talento di un poeta che continuerà comunque a disegnare per il resto della sua lunga vita. Il visitatore percepisce l'entusiasmo del Goethe italiano: „Questo è un felicissimo soggiorno; da mane a sera disegno, dipingo, ombreggio, incollo, insomma, mi do da fare ex professo e come artigiano e come artista.“ (28.9.1787)

Inaugurazione: 20.9.2012, ore 19.30

Ingresso: 5,00 Euro, ridotto 3,00 Euro

La poesia per immagini

PROROGATA fino al 9.9.2012!

La poesia per immagini

invito1

Ancora fino al 9 settembre 2012 la Casa di Goethe presenta con la mostra La poesia per immagini. Max Liebermann, Ernst Barlach, Hans Meid Karl Walser e la poesia di Goethe una altra parte centrale della sezione arte moderna della propria collezione. La mostra sarà inaugurata giovedì 23 febbraio 2012, ore 19.30.

 

La nascita delle litografie esposte nella Casa di Goethe si deve alle attività del celebre editore e mercante d’arte berlinese Paul Cassirer (1871-1926). L’illustrazione artistica di altissimo livello di libri e riviste era la sua grande passione. Nel 1924 diede vita al progetto di una serie di cartelle di artisti contemporanei dedicate alle poesie di Goethe.

Max Liebermann (1847-1935) e Ernst Barlach (1870-1938) erano gli autori delle prime due cartelle, poi Casssirer coinvolse Hans Meid (1883-1957) e Karl Walser (1877-1943). Dovevano seguire anche Max Slevogt, Oskar Kokoschka e Erich Heckel, ma il suicidio dell’editore pose fine alla continuazione del progetto.

Le quattro cartelle (complessivamente 104 litografie a matita dedicate a 49 poesie goethiane) raccontano l’approccio diverso di ogni artista. La scelta delle poesie fu lasciata ai singoli artisti, sebbene ogni poesia dovesse comparire una sola volta nell’intera edizione.

Liebermann si fece ispirare dall’atmosfera delle ballate di Goethe: la sua interpretazione del Pescatore diventa così una delicata storia d’amore.

Barlach invece lavorò sulle poesie che raccontano sofferenze e paure umane. Ne suoi Re degli Elfi e nell’Apprendista stregone riesce a trasportare questi sentimenti.

L’’interpretazione di Meid, molto fedele al testo goethiano, si concentra sulle poesie d’amore e la lirica della natura.

Le litografie di Walser, realizzate con pochi tratti, avvolte burleschi, sono dedicate ai Lieder e le posie elegiache, e dimostrano gli influssi dell’arte francese.

Le cartelle furono pubblicate da Paul Cassirer in un’edizione unica di 100 esemplari numerati e rappresentano il suo ultimo, importante progetto editoriale. Sono da annoverarsi tra i capolavori dell’arte libraria dell’impressionismo.

Vado da Goethe con il Pascoli!
In occasione dell’inaugurazione della mostra Alex Pascoli e Massimiliano Vado leggono poesie di Goethe (altre date: 15.3., 19.4. e 19.5.)

Catalogo: Poesie di Goethe illustrate: Max Liebermann, Ernst Barlach, Hans Meid e Karl Walzer nella casa editrice Paul Cassirer (1924-1926). Con un saggio di Andreas Henning, Casa di Goethe 2000, 12.00 Euro

Visite guidate gratuite senza prenotazione! Tutte le domeniche alle ore 11.00


 

 

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