Museum - Bibliothek - Deutsch-italienisches Foyer

A+ A A-

Wechselausstellung

Quellen der Inspiration

 

bis 20. September 2020

Kuratiert von Michael Thimann, Ulf Dingerdissen und Maria Gazzetti

Vom 28.02. bis 20.09.2020 schlägt die Casa di Goethe mit der ersten Ausstellung über die deutschen Künstlerbibliotheken im Rom des 19. Jahrhunderts ein neues Kapitel der deutsch-römischen Kunstgeschichte auf. Denn bisher war wenig bekannt, dass die deutschen Künstler neben den unzähligen Kunstwerken Roms ebenso intensiv die Bücher in den eigens für ihre Zwecke in Rom eingerichteten Bibliotheken studierten. Die Ausstellung möchte diese Quellen der Inspiration bekannt und erfahrbar machen: Kunstwerke, Buchbände und Archivalien erzählen nicht nur die komplexe Geschichte dieser Bibliotheken und ihre Nutzung, sondern sie beleuchten auch den Einfluss der gelesenen Literatur auf die Kunst.

Bis 30. September 2020
reduzierter Eintritt für alle Besucher ("Sconto Covid19")
€ 5,00

Fotogallerie Wechselausstellung

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Bibliothek des von 1845 bis 1915 in Rom bestehenden Deutschen Künstlervereins. Nach einer wechselvollen Geschichte wird diese bedeutende Büchersammlung seit 2012 gemeinsam mit dem historischen Vereinsarchiv in der Casa di Goethe verwahrt. Einen besonderen Wert besitzt sie durch ihre Sammlungsgeschichte, die älter ist als der Künstlerverein selbst. Denn im Jahr 1900 wurde die Vereinsbibliothek um die Bestände der zuvor in Rom gegründeten Bibliotheken erweitert: Hinzu kamen die Bände der Gemeinschaftlichen Lesebibliothek der Deutschen (1795), der neuen Bibliothek der Deutschen (1821) sowie der Bibliothek der Deutschen Künstler (1832). Außergewöhnlich ist diese heute noch gut 4700 gebundene Ressourcen umfassende Büchersammlung sowohl durch ihre Menge an Exemplaren mit Widmungen, Marginalien und Skizzen der Künstler als auch durch ihre ausgesprochen gute Dokumentation: Im Archiv des Künstlervereins haben sich neben den Bestandskatalogen auch Zugangs- und Ausleihverzeichnisse der Bibliotheken erhalten.

Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten und in Kooperation mit dem Kunstgeschichtlichen Seminar der Georg-August-Universität Göttingen unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Michael Thimann durchgeführten Projekts Künstlerwissen und Künstlerlektüre im Rom des 19. Jahrhunderts. Die Bibliothek des deutschen Künstlervereins und ihr wissensgeschichtlicher Kontext konnte diese kulturhistorisch wertvolle Büchersammlung in den letzten Jahren in der Casa di Goethe erschlossen, im Sinne einer historischen Rekonstruktion neu aufgestellt und in einem Online-Katalog erfasst werden.

Mit dem Fokus auf der Künstlerlektüre und der erstmaligen öffentlichen Präsentation eines umfassenden Quellenfundus betritt die Ausstellung wissenschaftliches Neuland. Sie spannt einen Bogen vom Künstlerkreis um Carl Ludwig Fernow, über die Künstlergemeinschaften von Sant’Isidoro, auf dem Kapitol und der Villa Malta bis hin zu Anselm Feuerbach und Arnold Böcklin als bedeutende Mitglieder des Künstlervereins. Gezeigt werden neben den historischen Büchern und Dokumenten des Künstlervereins zahlreiche themenbezogene Kunstwerke aus der Sammlung der Casa di Goethe sowie Leihgaben aus privater und öffentlicher Hand, darunter Museen wie das Städel Museum in Frankfurt.

Zu sehen sind ausgewählte Porträts wie auch in Rom entstandene Bilder der beteiligten Künstler, auf denen das Lesen selbst oder die Umsetzung von gelesenem Stoff eine wichtige Rolle spielen.  Ein berühmtes „Lesebild“ schuf etwa Anselm Feuerbach mit seiner Laura im Park von Vaucluse (Historisches Museum der Pfalz Speyer). Die große Bedeutung des Lesens für den bildenden Künstler thematisiert umgekehrt Friedrich Overbeck in seinem Selbstbildnis mit der Bibel (Lübeck, Museum Behnhaus Drägerhaus).

Die Schau ist zum einen chronologisch, zum anderen thematisch gegliedert: Sie setzt mit der Gemeinschaftlichen Lesebibliothek der Deutschen ein, die der Kunsttheoretiker Carl Ludwig Fernow ins Leben rief. Neben Goethes Hausgenosse Friedrich Bury, Wilhelm Friedrich Gmelin, Joseph Anton Koch, Jacob Wilhelm Mechau, Friedrich Rehberg und Johann Christian Reinhart gehörte ihr insbesondere auch Asmus Jacob Carstens an. Im Fokus steht das Kunst- und Künstlerideal in Rom um 1800 im Verhältnis zu den von Fernow gezielt für die Künstler angeschafften Schriften.

In der Tradition von Fernows „alter“ steht die „neue“ Bibliothek der Deutschen, die die Künstler um Johann David Passavant gemeinsam mit Intellektuellen und Diplomaten wie Christian Karl Josias von Bunsen, Ernst Zacharias Platner und August Kestner 1821 gründeten. Gegenübergestellt wird ihr im zweiten Ausstellungsraum die 1832 entstandene Bibliothek der Deutschen Künstler, die König Ludwig I. von Bayern besonders förderte, indem er sie in seiner Villa Malta beheimatete und großzügig mit Buchgeschenken bedachte. Am Beispiel dieser beiden Institutionen werden die Selbstorganisation und persönlichen Konstellationen der deutschen Künstler in Rom aufgezeigt.

In der dritten Sektion geht es um das Leseverhalten der Künstler und die künstlerische Umsetzung des Gelesenen – weitestgehend am Beispiel der Rezeption von religiösen Schriften und Werken der deutschen Dichtung. Ausgestellt sind aber nicht nur Kunstwerke mit ihrer jeweiligen literarischen Quelle – thematisiert wird auch der Prozess des Lesens sowie die Aneignung und Umsetzung von Wissen durch den bildenden Künstler.

Im Mittelpunkt des vierten Ausstellungsraums steht demgegenüber die Auseinandersetzung der deutschen Künstler mit den italienischen Dichtern Dante, Petrarca, Tasso und Ariost. Ausgangspunkt dafür ist der Künstlerverein, dessen täglich geöffnete Bibliothek ab 1845 künstlerischer und intellektueller Mittelpunkt der Deutschen in Rom war. Wie wichtig diese Büchersammlung für einzelne Künstlerpersönlichkeiten war, wird am Beispiel von Arnold Böcklin aufgezeigt, dessen Leseverhalten nun rekonstruiert werden konnte.

Begleitpublikation (in Italienisch und Deutsch) zur Ausstellung

Quellen der Inspiration.  Deutsche Künstlerbibliotheken in Rom 1795 – 1915, Casa di Goethe 2020
Herausgegeben von Ulf Dingerdissen, Maria Gazzetti und Michael Thimann. Mit zwei Essays von Ulf Dingerdissen und Michael Thimann, 241 Seiten , 82 Farbabbildungen,  € 18,00. ISBN 978-3-930370-53-5

 Die Ausstellung ist die erste Initiative, die sich der Geschichte des Künstlervereins und seiner Mitglieder widmet. Im Frühjahr 2021 wird eine Ausstellung zu Friedrich Noack (1858-1930) eröffnet. Der Autor zahlreicher Bücher über die Geschichte der Deutschen in Rom war mehrere Jahre im Vorstand des Künstlervereins.

 

 

Diese Website verwendet Cookies (zur Authentifizierung, Navigation und für andere Funktionen). Mit der Nutzung unserer Website stimmen Sie der Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät zu.