Museo - Biblioteca - Foyer italo-tedesco

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gennaio - febbraio 2020

Prof. Dr. Thomas Hauschild, etnologo


Foto: Franziska Richter

 

Projetto: La magia nelle fonti scientifiche, letterarie e artistiche nel Belpaese

Thomas Hauschild ospite della "Casa di Goethe" a Roma racconta:

L'etnologia moderna cerca di superare l'esotismo e i pregiudizi contro l’altro, ed è diventata una forma di antropologia culturale e sociale in stile comparativo.  Il mio approccio da etnologo è invece legato al tentativo di integrare proprio quegli elementi culturali "esotici” e oggi strambi negli studi della cultura europea: streghe, santi, società segrete, Babbo Natale, la Befana e fantasmi di ogni tipo.

A Roma sto cercando di trovare testimonianze letterarie per la religione popolare e la magia che ho studiato per molti anni nell’Italia meridionale, durante il lavoro empirico sul campo per il mio libro Magie und Macht in Italien (Magia e potere in Italia):  Dante, Carducci, cronisti eretici e studiosi letterari reazionari come Mario Petrucciani. Il mio soggiorno come "borsista" dell'"Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute" e della "Casa di Goethe"  mi ha dato questa bella opportunità. Qui mi piace non solo la bella sistemazione, ma anche il sostegno fornito dalle collaboratrici scientifiche della casa, la direttrice Dr. Maria Gazzetti, Dorothee Hock e la Dr. Claudia Nordhoff e da tutto lo staff  del museo intorno a Pina Middendorf.

Anche negli archivi della Casa di Goethe ho potuto trovare del materiale sostanzioso. Le biblioteche dell'Associazione degli artisti tedeschi romani del XIX secolo, l'ampia collezione di letteratura goethiana e i meravigliosi oggetti esposti mi forniscono conoscenze sulla spiritualità, sull'esotismo e, non da ultimo, sulle veggenti del primo Ottocento le quali mi stanno affascinando molto nella stesura del mio libro sui fantasmi.

E naturalmente  lo spirito di Goethe mi appare in questi ambienti, quando la notte , da solo al secondo piano della casa, sfoglio i grandi volumi del  Vormärz tedesco del 1848. Come faccio a liberarmi del fantasma? In Germania, il linguaggio giovanile ha ideato per questo un l’anatema appropriato,  titolo di una serie di film di successo (2013-17) del regista Bora Dağtekin: "Fack ju, Göhte!”

 

Jahrbuch Klassik Stiftung Weimar 2011

Jahrbuch 2011

klassik_stiftung

Beitrag von Ursula Bongaerts, Leiterin der Casa di Goethe

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Jahresbericht 2012

Die Casa di Goethe im Jahr 2012

Die Casa di Goethe, Deutschlands einziges deutsches Museum im Ausland, wurde 1997 in Goethes ehemaliger römischer Wohnung am Corso eröffnet. Träger ist der Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute e.V. – AsKI in Bonn, ein Zusammenschluss von derzeit 36 rechtlich selbständigen bedeutenden Kultureinrichtungen in der Bundesrepublik. Finanziert wird das Haus vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

 

Mit Unterstützung des Deutschen Bundestages hatte der AsKI 2009 zusätzliche Räume im 2. Stock erwerben können, genau die, in denen von 1973 bis 1982 ein vom Freien Deutschen Hochstift getragenes erstes Goethe-Museum Rom untergebracht war. Im Vordergrund der Arbeit der Casa di Goethe standen im Jahr 2012 der Abschluss der Umbau- und Einrichtungsarbeiten dieser neuen Räumlichkeiten, die Neuorganisation der Museumsetage im ersten Stock (Lager, Kunstdepot, Bibliothek, Verwaltungsräume) und die Eröffnung und Inbetriebnahme der neuen Räume (Übernahme der Deutschen Künstlerbibliothek und des Nachlasses des Deutschen Künstlervereins, Umzug der Bibliothek in den zweiten Stock). Diese Maßnahmen haben Arbeitskraft und finanzielle Mittel gebunden. Das Veranstaltungsprogramm mußte reduziert, das Museum während der Renovierungsarbeiten zeitweise geschlossen werden. Die Casa di Goethe konnte 2012 dennoch ein qualitätvolles Veranstaltungsprogramm durchführen und sich angesichts ihrer Erweiterung über ein lebhaftes Medieninteresse in Italien und Deutschland freuen.

 

Mehr Platz für Goethe in Rom!

Fünfzehn Jahre nach ihrer Eröffnung konnte die Casa di Goethe am 20. September 2012 eine hiostorische Erweiterung feiern: In Anwesenheit des Staatsministers für Kultur und Medien Bernd Neumann und des italienischen Kulturministers Lorenzo Ornaghi wurden am Morgen die neuen Räume des römischen Goethe-Hauses feierlich eingeweiht und am Abend eine ganz besondere Ausstellung mit noch nie gezeigten italienischen Goethe-Zeichnungen aus den Beständen der Klassik Stiftung Weimar eröffnet.

 

Die Erweiterung um rund die Hälfte der bisherigen Museumsfläche eröffnet der Casa di Goethe neue Perspektiven: Die Trennung von Ausstellungs- und Veranstaltungsbereich erleichtert sowohl den Museumsbetrieb wie die Durchführung von Veranstaltungen. Die Seminar- und Bibliotheksräume und der neue Veranstaltungssaal in der zweiten Etage bieten bei verbesserter technischer Grundausstattung auch bei laufendem Museumsbetrieb die Möglichkeit, Seminare, Workshops und museumspädagogische Programme durchzuführen. In den neuen Räumen hat die historische Bibliothek der deutschen Künstler in Rom ein definitives Zuhause gefunden. Und schließlich kann die Casa di Goethe ihr Stipendium-Programm unter verbesserten Bedingungen wiederaufnehmen, weil nun ein eigenes Apartment zur Verfügung steht.

 

Die zahlreichen Gäste aus Italien und Deutschland konnten sich von dem überzeugenden Ergebnis der Umbauarbeiten einen Eindruck verschaffen. Zum Abschluss des Festaktes überreichte der Architekt Alessandro Casadei, dessen hervorragende Arbeit alle Redner hervorgehoben hatten, den Hausherren - dem Vorsitzenden des AsKI, Volkmar Hansen, und der Leiterin der Casa di Goethe, Ursula Bongaerts - symbolisch einen Schlüssel. Anschließend verteilten sich die Gäste in beiden Etagen des Hauses Via del Corso 18, besichtigten die neuen Räume und vorab die Ausstellung mit originalen, bislang noch nie gezeigten Zeichnungen Goethes aus Italien.

 

Diese Ausstellung wurde am Abend bei großem Andrang des römischen Publikums zusammen mit den Kollegen der Klassik Stiftung Weimar eröffnet. Nicht nur am 20. September feierten die vielen Gäste aus Italien und Deutschland die historische Erweiterung der Casa di Goethe. Auch an den beiden folgenden Wochenenden konnten wir uns über großen Besucherandrang freuen: In der ersten Etage bewunderten die vielen vor allem italienischen Besucher die Goethe-Zeichnungen, die zweite Etage kam mit Lesungen und Hausmusik erstmals zum Einsatz – und funktionierte bestens. Und der AsKI konnte schließlich am Tag nach der Eröffnung seine Vorstandssitzung erstmals in den neuen Räumen des von ihm getragenen Hauses durchführen.

 

Ausstellungen und begleitende Veranstaltungen

Die erste Ausstellung im Jahr 2012 zeigte unter dem Titel „Ein Bild wie ein Gedicht“ Illustrationen von vier Künstlern – Max Liebermann, Ernst Barlach, Hans Meid und Karl Walser – zu Goethe-Gedichten. Alle Exponate stammen aus der Sammlung der Casa di Goethe. Die Ausstellung wurde in ähnlicher Form bereits im Jahr 2000 gezeigt; der bereits vorliegende Katalog konnte erneut benutzt werden. Zur Eröffnung rezitierten die Schauspieler Massimiliano Vado und Alex Pascoli Goethe-Gedichte.

 

Anlässlich der Erweiterung der Casa di Goethe wurde am 20. September eine hochkarätige Ausstellung mit bisher noch nie gezeigten Originalzeichnungen Goethes von seiner Italienreise eröffnet. Die wertvollen Blätter aus dem Besitz der Klassik Stiftung Weimar – italienische Landschaften, klassizistische Figuren- und Porträtstudien sowie Architekturzeichnungen – waren zuvor mit Sondermitteln des BKM restauriert worden. Sie vermitteln ein neues Bild von Goethe als Zeichner in Italien, wurden in der Vergangenheit doch meist immer die gleichen Motive ausgestellt und publiziert. Kuratiert.wurde die Ausstellung “den ganzen Tag gezeichnet. Die italienischen Zeichnungen Goethes” von Hermann Mildenberger, Leiter der Graphischen Sammlung der Klassik Stiftung Weimar, und seiner Kollegin Margarete Oppel. Zur Eröffnung waren aus Weimar außerdem auch Hellmut Seemann (Präsident) und Wolfgang Holler (Generaldirektor der Museen) angereist.

Um die Blätter anschließend auch in der Dauerausstellung zeigen und die Ausstellung auch an anderen Orten Italiens präsentieren zu können, wurden hochwertige Faksimiles hergestellt. Zur Ausstellung hat die Casa di Goethe einen zweisprachigen Katalog herausgegeben, der in einem einleitenden Teil auch auf die historische Erweiterung der Casa di Goethe eingeht.

 

Lesungen, Vorträge, Seminare

2012 konnte in Kooperation mit zahlreichen italienischen und deutschen Partnern nur ein im Vergleich zu den Vorjahren aufgrund der Bauarbeiten reduziertes Veranstaltungsprogramm in der Casa di Goethe (28 Veranstaltungen) und an anderen Orten Italiens (4 Veranstaltungen) durchgeführt werden (s. anliegende Liste). Die neuen Räume haben sich für ist die Durchführung von Veranstaltungen bestens bewährt.

 

Stipendium

Das Casa di Goethe-Stipendium kann durch die räumliche Erweiterung wieder aufgenommen werden, da nun ein eigenes Apartment für die Unterbringung von Autoren, Publizisten, Übersetzern und Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt werden kann. Als Förderer wurde die Karin und Uwe Hollweg-Stiftung aus Bremen gewonnen. Eine Satzung für das Stipendium wurde vom AsKI-Vorstand verabschiedet, die erste Ausschreibung erfolgte im September 2012. In die Jury berufen wurden der Soziologe Angelo Bolaffi, emeritierter Professor der Universität La Sapienza in Rom und langjähriger Direktor des Italienischen Kulturinstituts in Berlin, und Dieter Richter, emeritierter Professor für Literaturgeschichte in Bremen und Autor zahlreicher Bücher zur europäischen und besonders italieinschen Kulturgeschichte. Außerdem gehört Susanne Popp als stellvertretende Vorsitzende des AsKI der Jury an. Die erste Jury-Sitzung soll Anfang 2013 stattfinden.

 

Sammlung und Bibliothek

Obwohl der Erwerbungsetat 2012 überwiegend für die Einrichtung der neuen Etage genutzt werden mußte, konnten Sammlung und Bibliothek um bedeutende Exponate erweitert werden.

 

Ein besonderer Glücksfall war es, dass die Casa di Goethe den kulturhistorisch bedeutsamen Altbestand der 1821 gegründeten deutschen (Künstler)bibliotheken übernehmen konnte, der nun Glanzstück der neuen Räume im zweiten Stock ist. Diese historische Bibliothek ist aufgrund ihrer wechselvollen Geschichte nicht mehr vollständig erhalten, aber gleichwohl als Spiegel der Leseinteressen speziell der Deutschrömer im 19. Jahrhundert ein Zeitdokument ersten Ranges. Die Bestände wurden nach dem Zweiten Weltkrieg auf verschiedene deutsche Institute in Rom verteilt, Anfang der 1980er Jahre aber wieder zusammengeführt und seither – bis auf einen kleinen in der Villa Massimo befindlichen Restbestand - im Deutschen Archäologischen Institut aufbewahrt. In der Casa di Goethe soll die besitzerlose Bibliothek nun im Einverständnis mit allen Direktoren der deutschen Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen in Rom und der Deutschen Botschaft sowie mit Billigung des Auswärtigen Amtes und des BKM ihr definitives Domizil finden, erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und wissenschaftlich erschlossen werden.

 

Die Bibliotheca Hertziana / Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte hat diese Übergabe zum Anlass genommen, den Nachlass des 1845 in Rom gegründeten Deutschen Künstlervereins, der sich bisher in der Obhut ihres Hauses befand, ebenfalls an das römische Goethe-Museum zu geben und damit das graphische und archivalische Material gleicher Provenienz mit der Bibliothek zusammenzuführen. Die Archivalien - Korrespondenz, Rechnungen, Belege, Verträge, Mitgliedsverzeichnisse, Besucherbücher, die Ausleihregister der Bibliothek und andere Dokumente - erlauben einen einzigartigen Einblick in das Vereinsleben der deutschen Künstler in Rom. Herzstück des insgesamt fast dreihundert Blätter umfassenden graphischen Nachlasses ist ein Album mit gut 140 Porträtzeichnungen von Künstlern, die überwiegend in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Ewigen Stadt gelebt haben. Neben bekannten Namen wie Johann Christian Reinhart, Joseph Anton Koch und Peter Cornelius finden sich hier auch viele unbekannte Maler und Zeichner. Mit diesem bedeutsamen Zuwachs der Sammlung hat die Casa di Goethe ein zweites Standbein – die Sammlung erinnert an Goethes epochemachenden Italienaufenthalt, und sie erinnert an die ungezählten deutschen Künstler in Rom seit Goethes Zeiten, denen in diesem Museum ohnehin von Anfang an ein Forum geboten wurde.

 

Private Schenkungen kamen hinzu: Blätter zur Antikenrezeption aus der Sammlung von Wolfgang von Wangenheim sowie römische Videoarbeiten von Christoph Brech als Schenkung von Michael und Ricarda Matheus. Außerdem konnte eine zeitgenössische Kopie des Goethe-Portraits von Angelika Kauffmann aus Privatbesitz angekauft werden.

 

Das kleine Team der Casa di Goethe hat die mit der Umstrukturierung und dem Umbau verbundenen Aufgaben zusätzlich zum normalen Arbeitspensum mit Bravour gemeistert. Mein gasnz herzlicher Dank geht an Isolde Hendel, Dorothee Hock, Domenico Matilli und Suzanne Mille sowie an die Praktikanten, die uns 2012 unterstützt haben: Alexander Kusnezow, Pia-Doreen Pinkawa, Emilia Oebel, Jill Giljan, Sabrina Schmohl, Anina Pommerenke, Romina Ebenhöch
und Ornella Mignemi.

 

 

Rom, im Mai 2013

Ursula Bongaerts, Leiterin der Casa di Goethe

Die Casa di Goethe im Jahr 2012

 

Die Casa di Goethe, Deutschlands einziges deutsches Museum im Ausland, wurde 1997 in Goethes ehemaliger römischer Wohnung am Corso eröffnet. Träger ist der Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute e.V. – AsKI in Bonn, ein Zusammenschluss von derzeit 36 rechtlich selbständigen bedeutenden Kultureinrichtungen in der Bundesrepublik. Finanziert wird das Haus vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

 

Mit Unterstützung des Deutschen Bundestages hatte der AsKI 2009 zusätzliche Räume im 2. Stock erwerben können, genau die, in denen von 1973 bis 1982 ein vom Freien Deutschen Hochstift getragenes erstes Goethe-Museum Rom untergebracht war. Im Vordergrund der Arbeit der Casa di Goethe standen im Jahr 2012 der Abschluss der Umbau- und Einrichtungsarbeiten dieser neuen Räumlichkeiten, die Neuorganisation der Museumsetage im ersten Stock (Lager, Kunstdepot, Bibliothek, Verwaltungsräume) und die Eröffnung und Inbetriebnahme der neuen Räume (Übernahme der Deutschen Künstlerbibliothek und des Nachlasses des Deutschen Künstlervereins, Umzug der Bibliothek in den zweiten Stock). Diese Maßnahmen haben Arbeitskraft und finanzielle Mittel gebunden. Das Veranstaltungsprogramm mußte reduziert, das Museum während der Renovierungsarbeiten zeitweise geschlossen werden. Die Casa di Goethe konnte 2012 dennoch ein qualitätvolles Veranstaltungsprogramm durchführen und sich angesichts ihrer Erweiterung über ein lebhaftes Medieninteresse in Italien und Deutschland freuen.

 

Mehr Platz für Goethe in Rom!

Fünfzehn Jahre nach ihrer Eröffnung konnte die Casa di Goethe am 20. September 2012 eine hiostorische Erweiterung feiern: In Anwesenheit des Staatsministers für Kultur und Medien Bernd Neumann und des italienischen Kulturministers Lorenzo Ornaghi wurden am Morgen die neuen Räume des römischen Goethe-Hauses feierlich eingeweiht und am Abend eine ganz besondere Ausstellung mit noch nie gezeigten italienischen Goethe-Zeichnungen aus den Beständen der Klassik Stiftung Weimar eröffnet.

 

Die Erweiterung um rund die Hälfte der bisherigen Museumsfläche eröffnet der Casa di Goethe neue Perspektiven: Die Trennung von Ausstellungs- und Veranstaltungsbereich erleichtert sowohl den Museumsbetrieb wie die Durchführung von Veranstaltungen. Die Seminar- und Bibliotheksräume und der neue Veranstaltungssaal in der zweiten Etage bieten bei verbesserter technischer Grundausstattung auch bei laufendem Museumsbetrieb die Möglichkeit, Seminare, Workshops und museumspädagogische Programme durchzuführen. In den neuen Räumen hat die historische Bibliothek der deutschen Künstler in Rom ein definitives Zuhause gefunden. Und schließlich kann die Casa di Goethe ihr Stipendium-Programm unter verbesserten Bedingungen wiederaufnehmen, weil nun ein eigenes Apartment zur Verfügung steht.

 

Die zahlreichen Gäste aus Italien und Deutschland konnten sich von dem überzeugenden Ergebnis der Umbauarbeiten einen Eindruck verschaffen. Zum Abschluss des Festaktes überreichte der Architekt Alessandro Casadei, dessen hervorragende Arbeit alle Redner hervorgehoben hatten, den Hausherren - dem Vorsitzenden des AsKI, Volkmar Hansen, und der Leiterin der Casa di Goethe, Ursula Bongaerts - symbolisch einen Schlüssel. Anschließend verteilten sich die Gäste in beiden Etagen des Hauses Via del Corso 18, besichtigten die neuen Räume und vorab die Ausstellung mit originalen, bislang noch nie gezeigten Zeichnungen Goethes aus Italien.

 

Diese Ausstellung wurde am Abend bei großem Andrang des römischen Publikums zusammen mit den Kollegen der Klassik Stiftung Weimar eröffnet. Nicht nur am 20. September feierten die vielen Gäste aus Italien und Deutschland die historische Erweiterung der Casa di Goethe. Auch an den beiden folgenden Wochenenden konnten wir uns über großen Besucherandrang freuen: In der ersten Etage bewunderten die vielen vor allem italienischen Besucher die Goethe-Zeichnungen, die zweite Etage kam mit Lesungen und Hausmusik erstmals zum Einsatz – und funktionierte bestens. Und der AsKI konnte schließlich am Tag nach der Eröffnung seine Vorstandssitzung erstmals in den neuen Räumen des von ihm getragenen Hauses durchführen.

 

Ausstellungen und begleitende Veranstaltungen

Die erste Ausstellung im Jahr 2012 zeigte unter dem Titel „Ein Bild wie ein Gedicht“ Illustrationen von vier Künstlern – Max Liebermann, Ernst Barlach, Hans Meid und Karl Walser – zu Goethe-Gedichten. Alle Exponate stammen aus der Sammlung der Casa di Goethe. Die Ausstellung wurde in ähnlicher Form bereits im Jahr 2000 gezeigt; der bereits vorliegende Katalog konnte erneut benutzt werden. Zur Eröffnung rezitierten die Schauspieler Massimiliano Vado und Alex Pascoli Goethe-Gedichte.

 

Anlässlich der Erweiterung der Casa di Goethe wurde am 20. September eine hochkarätige Ausstellung mit bisher noch nie gezeigten Originalzeichnungen Goethes von seiner Italienreise eröffnet. Die wertvollen Blätter aus dem Besitz der Klassik Stiftung Weimar – italienische Landschaften, klassizistische Figuren- und Porträtstudien sowie Architekturzeichnungen – waren zuvor mit Sondermitteln des BKM restauriert worden. Sie vermitteln ein neues Bild von Goethe als Zeichner in Italien, wurden in der Vergangenheit doch meist immer die gleichen Motive ausgestellt und publiziert. Kuratiert.wurde die Ausstellung “den ganzen Tag gezeichnet. Die italienischen Zeichnungen Goethes” von Hermann Mildenberger, Leiter der Graphischen Sammlung der Klassik Stiftung Weimar, und seiner Kollegin Margarete Oppel. Zur Eröffnung waren aus Weimar außerdem auch Hellmut Seemann (Präsident) und Wolfgang Holler (Generaldirektor der Museen) angereist.

Um die Blätter anschließend auch in der Dauerausstellung zeigen und die Ausstellung auch an anderen Orten Italiens präsentieren zu können, wurden hochwertige Faksimiles hergestellt. Zur Ausstellung hat die Casa di Goethe einen zweisprachigen Katalog herausgegeben, der in einem einleitenden Teil auch auf die historische Erweiterung der Casa di Goethe eingeht.

 

Lesungen, Vorträge, Seminare

2012 konnte in Kooperation mit zahlreichen italienischen und deutschen Partnern nur ein im Vergleich zu den Vorjahren aufgrund der Bauarbeiten reduziertes Veranstaltungsprogramm in der Casa di Goethe (28 Veranstaltungen) und an anderen Orten Italiens (4 Veranstaltungen) durchgeführt werden (s. anliegende Liste). Die neuen Räume haben sich für ist die Durchführung von Veranstaltungen bestens bewährt.

 

Stipendium

Das Casa di Goethe-Stipendium kann durch die räumliche Erweiterung wieder aufgenommen werden, da nun ein eigenes Apartment für die Unterbringung von Autoren, Publizisten, Übersetzern und Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt werden kann. Als Förderer wurde die Karin und Uwe Hollweg-Stiftung aus Bremen gewonnen. Eine Satzung für das Stipendium wurde vom AsKI-Vorstand verabschiedet, die erste Ausschreibung erfolgte im September 2012. In die Jury berufen wurden der Soziologe Angelo Bolaffi, emeritierter Professor der Universität La Sapienza in Rom und langjähriger Direktor des Italienischen Kulturinstituts in Berlin, und Dieter Richter, emeritierter Professor für Literaturgeschichte in Bremen und Autor zahlreicher Bücher zur europäischen und besonders italieinschen Kulturgeschichte. Außerdem gehört Susanne Popp als stellvertretende Vorsitzende des AsKI der Jury an. Die erste Jury-Sitzung soll Anfang 2013 stattfinden.

 

Sammlung und Bibliothek

Obwohl der Erwerbungsetat 2012 überwiegend für die Einrichtung der neuen Etage genutzt werden mußte, konnten Sammlung und Bibliothek um bedeutende Exponate erweitert werden.

 

Ein besonderer Glücksfall war es, dass die Casa di Goethe den kulturhistorisch bedeutsamen Altbestand der 1821 gegründeten deutschen (Künstler)bibliotheken übernehmen konnte, der nun Glanzstück der neuen Räume im zweiten Stock ist. Diese historische Bibliothek ist aufgrund ihrer wechselvollen Geschichte nicht mehr vollständig erhalten, aber gleichwohl als Spiegel der Leseinteressen speziell der Deutschrömer im 19. Jahrhundert ein Zeitdokument ersten Ranges. Die Bestände wurden nach dem Zweiten Weltkrieg auf verschiedene deutsche Institute in Rom verteilt, Anfang der 1980er Jahre aber wieder zusammengeführt und seither – bis auf einen kleinen in der Villa Massimo befindlichen Restbestand - im Deutschen Archäologischen Institut aufbewahrt. In der Casa di Goethe soll die besitzerlose Bibliothek nun im Einverständnis mit allen Direktoren der deutschen Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen in Rom und der Deutschen Botschaft sowie mit Billigung des Auswärtigen Amtes und des BKM ihr definitives Domizil finden, erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und wissenschaftlich erschlossen werden.

 

Die Bibliotheca Hertziana / Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte hat diese Übergabe zum Anlass genommen, den Nachlass des 1845 in Rom gegründeten Deutschen Künstlervereins, der sich bisher in der Obhut ihres Hauses befand, ebenfalls an das römische Goethe-Museum zu geben und damit das graphische und archivalische Material gleicher Provenienz mit der Bibliothek zusammenzuführen. Die Archivalien - Korrespondenz, Rechnungen, Belege, Verträge, Mitgliedsverzeichnisse, Besucherbücher, die Ausleihregister der Bibliothek und andere Dokumente - erlauben einen einzigartigen Einblick in das Vereinsleben der deutschen Künstler in Rom. Herzstück des insgesamt fast dreihundert Blätter umfassenden graphischen Nachlasses ist ein Album mit gut 140 Porträtzeichnungen von Künstlern, die überwiegend in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Ewigen Stadt gelebt haben. Neben bekannten Namen wie Johann Christian Reinhart, Joseph Anton Koch und Peter Cornelius finden sich hier auch viele unbekannte Maler und Zeichner. Mit diesem bedeutsamen Zuwachs der Sammlung hat die Casa di Goethe ein zweites Standbein – die Sammlung erinnert an Goethes epochemachenden Italienaufenthalt, und sie erinnert an die ungezählten deutschen Künstler in Rom seit Goethes Zeiten, denen in diesem Museum ohnehin von Anfang an ein Forum geboten wurde.

 

Private Schenkungen kamen hinzu: Blätter zur Antikenrezeption aus der Sammlung von Wolfgang von Wangenheim sowie römische Videoarbeiten von Christoph Brech als Schenkung von Michael und Ricarda Matheus. Außerdem konnte eine zeitgenössische Kopie des Goethe-Portraits von Angelika Kauffmann aus Privatbesitz angekauft werden.

 

 

 

Das kleine Team der Casa di Goethe hat die mit der Umstrukturierung und dem Umbau verbundenen Aufgaben zusätzlich zum normalen Arbeitspensum mit Bravour gemeistert. Mein gasnz herzlicher Dank geht an Isolde Hendel, Dorothee Hock, Domenico Matilli und Suzanne Mille sowie an die Praktikanten, die uns 2012 unterstützt haben: Alexander Kusnezow, Pia-Doreen Pinkawa, Emilia Oebel, Jill Giljan, Sabrina Schmohl, Anina Pommerenke, Romina Ebenhöch
und Ornella Mignemi.

 

 

Rom, im Mai 2013

Ursula Bongaerts, Leiterin der Casa di Goethe

 

Jahresbericht 2011

Die Casa di Goethe im Jahr 2011

Im Vordergrund der Arbeit des römischen Goethe-Hauses stand im Jahr 2011 der Umbau der neu erworbenen Räumlichkeiten im zweiten Stock. Nachdem zahlreiche und zum Teil nicht vorhersehbare bürokratische Hindernisse im Zusammenhang mit dem Bauanzeigeverfahren bei der Comune di Roma überwunden werden konnten, wurde im Sommer mit den Umbauarbeiten begonnen, die trotz einer unerwartet schlechten Bausubstanz zügig voranschritten. Der Umbau hat die Aktivitäten in der Museumsetage zeitweise erschwert. Der laufende Museumsbetrieb konnte aber jederzeit aufrechterhalten werden, das Veranstaltungsprogramm musste jedoch vorübergehend reduziert werden. Die neuen Räume werden 2012 zum fünfzehnjährigen Bestehen der Casa di Goethe im Beisein von Kulturstaatsminister Bernd Neumann eröffnet. Wieder aufgenommen werden kann dann auch das Stipendienprogramm der Casa di Goethe, für das die Karin und Uwe Hollweg-Stiftung als Förderer gewonnen werden konnte.

Ausstellungen und begleitende Veranstaltungen

Die erste Wechselausstellung der Casa di Goethe im Jahr 2011 war dem Landschaftsmaler und Deutschrömer Johann Christian Reinhart anlässlich seines 250. Geburtstages gewidmet. Fast sechzig Jahre hat dieser wichtige Künstler der Goethe-Zeit in Rom verbracht, mehr als jeder andere Deutsch-Römer seiner Zeit. Kuratiert wurde die Ausstellung von Dieter Richter, der wie Reinhart aus Hof stammt und seinem Landsmann eine im Transit Verlag erschienene Monographie gewidmet hat: „Von Hof nach Rom. Johann Christian Reinhart. Ein deutscher Maler in Italien“. Das Reinhart-Kabinett aus Hof stellte Leihgaben zur Verfügung, ansonsten stammten alle Exponate aus römischen Sammlungen: der Bibliotheca Hertziana, dem Caffè Greco, der Accademia di San Luca – hier fand Richter ein bisher unbekanntes und verschollen geglaubtes Reinhart-Porträt – und der Casa di Goethe. Ein besonderer Höhepunkt waren die mit Hilfe der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Kulturstiftung der Länder und des BKM im Vorjahr erworbenen vier großformatigen Rom-Panoramen aus der Goethe-Zeit, die die Casa di Goethe erstmals ihrem Publikum zeigte. Diese Ausstellung mit dem Titel „Blicke auf Rom“, die von einem Vortrag von Elisabeth Kieven, Direktorin an der Bibliotheca Hertziana, zu den Rom-Panoramen begleitet wurde, brachte eine sehr positive Presseresonanz und stieß beim deutschen wie vor allem auch beim italienischen Publikum auf großes Interesse.

Daran schloss sich die gemeinsam mit dem Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien erarbeitete Ausstellung zu Joseph Anton Koch in Rom an. Die von Cornelia Reiter kuratierte Ausstellung zeigte eine Auswahl an Zeichnungen aus dem in der Wiener Akademie aufbewahrten Nachlass des Künstlers, eines wichtigen Vertreters der klassizistischen Landschaftsmalerei. Koch war einer der zentralen Figuren der deutsch-römischen Künstlerkolonie und ist über sein Werk, aber auch über seine zahlreichen Nachfahren bis heute eng mit der Ewigen Stadt verbunden. Die Ausstellung war zunächst in Wien zu sehen, danach in der Casa di Goethe – die Botschafter von Österreich und Deutschland hatten hier gemeinsam die Schirmherrschaft übernommen – und wird 2012 abschließend im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt gezeigt. Auch hier konnte die Casa di Goethe eine bedeutende Neuerwerbung präsentieren, zwei Rom-Ansichten des Tiroler Künstlers, die die Ernst von Siemens Kunststiftung für das römische Goethe-Museum erworbenen hatte. Zur Ausstellung hat die Casa di Goethe einen zweisprachigen Katalog mit Beiträgen von Cornelia Reiter und Christian von Holst herausgegeben. Begleitet wurde die auf großes Interesse stoßende Ausstellung an den beiden ersten Orten von einem Symposium jeweils am Folgetag der Eröffnung.

Die höchst erfolgreiche Ausstellung „Piranesi, Rembrandt der Ruinen“ aus dem Sammlungsbestand der Casa di Goethe wurde zum Abschluss des Jahres noch einmal dem römischen Publikum gezeigt. Sehr gute besuchte Sonderführungen fanden im Dezember bei verlängerten Öffnungszeiten unter dem Motto „Donnerstags bei Goethe“ im Rahmen der Initiative der Comune di Roma „Roma Natale“ statt.

Anlässlich der zehnjährigen Zusammenarbeit zwischen der Casa di Goethe und der Comune di Malcesine zeigten wir im Sommer die ausschließlich aus eigenen Beständen bestückte Ausstellung „Römische Ansichten. Von Piranesis Rom des 18. Jahrhunderts bis zur Casa di Goethe heute“ mit Radierungen des bekannten Kupferstechers und Arbeiten des Kölner Fotografen Martin Claßen.

Unsere sehr erfolgreiche Michael Ende-Ausstellung konnte nach mehreren Stationen in Italien 2011 auch in Livorno gezeigt werden.

Kleist-Jahr

Einen Schwerpunkt der Arbeit der Casa di Goethe bildeten 2011 die Veranstaltungen anlässlich des 200. Todestages von Heinrich von Kleist, dem die Casa di Goethe zum Auftakt des Kleist-Jahres schon eine gemeinsam mit dem Kleist-Museum in Frankfurt/Oder erarbeitete Ausstellung gewidmet hatte. Zum Abschluß der Ausstellung fanden im Januar zwei Filmvorführungen zum Thema „Kleist im italienischen Kino“ im Goethe-Institut statt: Gezeigt wurden „Il principe di Homburg“ von Marco Bellocchio (1996) und „Il seme della discordia“ von Pappi Corsicato (2008).

Vanda Perretta kuratierte in Zusammenarbeit mit Ursula Bavaj, Camilla Miglio und Giovanni Sampaolo eine Reihe von insgesamt sieben Veranstaltungen unter dem Titel „Leggiamo Kleist insieme“. Die Idee war, im Kleist-Jahr 2011 nicht nur die Germanisten zu Wort kommen zu lassen, sondern Wissenschaftler und Vertreter unterschiedlichster Fachrichtungen einzuladen und mit ihnen die Aktualität des Werks von Heinrich von Kleist zu diskutieren. Eine Idee, die sich bewährt hat und auf große Begeisterung beim Publikum gestoßen ist. Ein breites Panorama: Die Filmregisseure Marco Bellocchio und Roberto Giannarelli setzen sich mit „Michael Kohlhaas“ und der Idee der Gerechtigkeit auseinander, der Soziologe Giovanni Ragone und die Medienwissenschaftlerin Donatella Capaldi reflektierten über Katastrophen in Kleists Erzählungen, der Altphilologe Roberto Nicolai stellte die „Penthelisea“ als archaisches und romantisches Epos vor, der Kunsthistoriker Claudio Zambianchi beschäftigte sich mit Kleists´ Schrift über das Marionettentheater und die Journalistin Vanna Vannuccini sich mit den „Berliner Abendblättern“ und der journalistischen Tätigkeit des Dichters, die Philosophin Simona Landolfi untersuchte den Fall der "Marquise v. O." Den Abschluss bildete ein literarisches Spiel: Pier Carlo Bontempelli und Ursula Bavaj lasen aus Originalbriefen von Kleist an seine Verlobte Wilhelmine von Zenge und aus deren Antwortbriefen, aus letzteren aber in einer Version von Studentinnen der Universität La Sapienza, die versuchten, sich in die Zeit und Wilhelmine hinversetzend, ihre nicht erhaltenen Briefe neu zu schreiben: ein vergnüglicher und beeindruckender Abschluss einer sehr gelungenen Veranstaltungsreihe.

Die Germanisten und Literaturwissenschaftler kamen natürlich auch zu Wort: Der ungarische Essayist und Kleist-Forscher László Földényi las aus seinem noch unveröffentlichten Buchmanuskript „Kleist und sein Tod“ und diskutierte darüber mit Ursula Bavaj. Anna Maria Carpi, Renata Colorni und Luigi Reitani stellten zum Abschluss des Kleist-Jahres die bei Mondadori erschienene neue Kleist-Gesamtausgabe vor.

Lesungen, Vorträge, Seminare

In der Casa di Goethe fanden auch 2011 zahlreiche Lesungen statt: Im Frühjahr waren traditionsgemäß die Schriftsteller-Stipendiaten der Villa Massimo zu Gast, Lutz Seiler und Jan Wagner. Zum Auftakt des Kolloquiums „Annette von Droste-Hülshoff und Italien“, durchgeführt von der Università degli Studi di Roma 2 Tor Vergate und der Annette von Droste-Gesellschaft (Münster) in Zusammenarbeit mit der Casa di Goethe und dem Goethe-Institut Rom, las die Schauspielerin Katharina Giesbertz unter dem Titel „Sehnsucht in die Fremde“ aus dem Werk der Droste. Den Eröffnungsabend bestritt außerdem Heike Spies, Kustodin des Goethe-Museums Düsseldorf, mit einem Vortrag über „Droste-Hülshoffs und Goethes Blick auf die römische Antike“. Zwei weitere Lesungen schlossen sich im Sommer an: Martin Kämpchen stellte unter dem Titel „Du hast meinen Geist in Brand gesteckt“ die von ihm ins Deutsche übersetzte Lyrik des indischen Dichters Rabindranath Tagore vor, Thomas Lehr las aus seinem 2010 bei Hanser erschienenen Roman „September. Fata Morgana“ und diskutierte mit Ursula Bongaerts vor allem über die Goethe-Bezüge in seinem Buch. Anne Weber stellte ihre Sicht auf Goethes Sohn dar und las aus ihrem bei Fischer erschienenen Buch „August. Ein bürgerliches Puppentrauerspiel“.

Zahlreiche deutschsprachige Veranstaltungen bereicherten das Programm: Unter dem Titel „Stefan Andres in Rom“ stellten der Verleger Thedel von Wallmoden, der Literaturwissenschaftler Michael Braun, der Enkel und Mitherausgeber der neuen Werkausgabe Christopher Andres sowie Prälat Max-Eugen Kemper, der mit Stefan Andres befreundet war, Leben und Werk des deutsch-römischen Schriftstellers vor. Den Spuren von Nelly Sachs im Werk von Ingeborg Bachmann und Paul Celan ging der Geschäftsführer und stellvertretende Verlagsleiter von Suhrkamp Thomas Sparr nach. Der Journalist und Historiker Jobst Knigge referierte über Capri und die Deutschen. In Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für deutsche Sprache (Zweigvereine Rom und Mailand) und dem DAAD (Bonn und Informationszentrum Rom) fand im Goethe-Haus ein Studientag zum Thema „Gesprochenes Deutsch für die Auslandsgermanstik“ statt.

Den Reigen der Veranstaltungen in italienischer Sprache eröffnete eine von Marino Freschi moderierte Diskussionsveranstaltung mit Paolo d´Angelo, Giorgio Piccinini und Massimo Ferrari Zumbini über „Berlino, capitale del XXI secolo“. Der deutschen Hauptstadt war auch der Vortrag „Le confessioni di un italiano innamorato di Berlino“ von Angelo Bolaffi, dem langjährigen Leiter des italienischen Kulturinstituts in Berlin gewidmet. Die neue italienische Übersetzung von Thomas Manns´ „Zauberberg“ - „Montagna magica“ - wurde in einer von Elisabeth Galvan moderierten Diskussionsrunde mit Piero Boitani, Renata Colorni und Luca Crescenzi vorgestellt. Der Dramatiker Lessing war Gegenstand einer Gesprächsrunde mit Paolo Fallai, Marino Freschi und Giorgio Manacorda, Goethes „Iphigenie“ einer von Marino Freschi moderierten Diskussion mit Grazia Pulvirenti und Cesare Lievi, begleitet von einer Lesung mit Emanuela Pistone.

Museumspädagogische Programme für Schüler und Studenten zu den Themen Italienreise, Faust, Farbenlehre wurden über das ganze Jahr durchgeführt. Außerdem war die Casa di Goethe auch außerhalb des eigenen Hauses präsent. Neben den bereits erwähnten Aktivitäten waren dies noch folgende Veranstaltungen: die in der Sculoa normale Superiore in Pisa durchgeführte Internationale Tagung der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft in Lübeck „Thomas Mann und die Künste. Neue Wege der europäischen Forschung“, ein Konzert in der Kirche S. Agnese in Agone, organisiert von der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar im Rahmen der europäischen Liszt-Night-Tour 2011, unterstützt von der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland, der Casa di Goethe und dem Deutschen Historischen Institut Rom, und schließlich die Filmvorführung „Faust“ von Aleksander Sokurov (Goldener Löwe Venedig 2011) im Goethe-Institut Rom.

Dass dieses umfangreiche Programm neben der Betreuung der Baumaßnahme durchgeführt werden konnte, verdankt sich der tatkräftigen und bewährten Mitarbeit von Renata Crea, Dorothee Hock, Domenico Matilli und Suzanna Mille. Vor allem ihnen danke ich sehr herzlich wie auch unserem Praktikanten-Team, das uns 2011 unterstützt hat: Anne-Maria Ewen, Stefanie Lenk, Kathrin Ennenbach, Sandra Wochner, Annabel Thiel, Susanne Kuhn, Janina Adamo und Alexander Kusnezow.

Rom, im April 2012

Ursula Bongaerts, Leiterin der Casa di Goethe

Jahresbericht 2010

Die Casa di Goethe 2010

Die Casa di Goethe, Deutschlands einziges Auslandsmuseum, wurde 1997 in Goethes ehemaliger römischer Wohnung am Corso eröffnet. Träger ist der Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute e.V. – AsKI in Bonn, ein Zusammenschluss von derzeit 35 rechtlich selbständigen bedeutenden Kultureinrichtungen in der Bundesrepublik. Finanziert wird das Haus vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Mit Unterstützung des Deutschen Bundestages konnte der AsKI im Dezember 2009 zusätzliche über der Museumsetage liegende Räumlichkeiten im 2. Stock in der Via del Corso 18 erwerben und damit das römische Goethe-Haus um immerhin die Hälfte seiner Fläche erweitern. In Sachen Umbau der neu erworbenen Wohnung sind wir 2010 ein entscheidendes Stück vorangekommen: Es fanden ausführliche Gespräche zwischen dem AsKI, der Casa di Goethe, dem Programmbeirat und dem Zuwendungsgeber BKM statt. Das von der Casa di Goethe vorgelegte Nutzungskonzept wurde befürwortet. Mit Alessandro Casadei wurde ein erfahrener italienischer Architekt verpflichtet, der in Italien und in Deutschland studiert und bereits für deutsche Einrichtungen in Rom gearbeitet hat. Er legte bis Ende 2010 eine Entwurfsplanung und einen endgültigen Kostenvoranschlag vor, auf deren Grundlage der AsKI Anfang 2011 den entsprechenden Projektantrag beim BKM stellen kann. Wir hoffen, die Umbaumaßnahme bis Ende 2011 abschließen und die neuen Räume 2012 zum fünfzehnjährigen Bestehen der Casa di Goethe eröffnen zu können.

Gefreut haben wir uns darüber, dass der Erwerb der neuen Räumlichkeiten wichtigen Vertretern aus Verwaltung und Politik Anlass für einen Besuch in der Casa di Goethe war. Besonders zu erwähnen sind die Besuche von Norbert Lammert, dem Präsidenten des Deutschen Bundestages, von Kulturstaatsminister Bernd Neumann, von Monika Grütters, der Vorsitzenden des Kulturausschusses des Bundestages, und von Sigrid Bias-Engels, Gruppenleiterin im BKM.

2010 war auch ein äußerst erfolgreiches Jahr mit Blick auf die Erweiterung der museumseigenen Sammlung. Mit zwei bisher unbekannten und qualitätvollen Zeichnungen mit Rom-Ansichten von Joseph Anton Koch (1768-1839) und einem spektakulären Ensemble von vier großformatigen Rom-Panoramen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, gezeichnet von zwei französischen, einem englischen und einem deutschen Künstler, hat die Casa di Goethe ihre Sammlung um herausragende und einzigartige Exponate bereichern können. Der Erwerb wurde unterstützt durch die Förderung der Kulturstiftung der Länder und der Ernst von Siemens Kunststiftung, die 2010 gleich zwei wichtige Ankäufe ermöglich hat.

Drei Wechselausstellungen – zwei davon in Kooperation mit AsKI-Mitgliedern erarbeitet - und eine Kabinettausstellung zeigte die Casa di Goethe 2010 in ihren Räumen. Mit ihrer ersten Ausstellung „Piranesi, Rembrandt der Ruinen“ präsentierte das römische Goethe-Haus erneut einen Teil der eigenen Sammlung. Die Ausstellung mit Radierungen aus Piranesis Serie „Vedute di Roma“ und Ansichten von Paestum und Tivoli stieß gerade beim römischen Publikum auf sehr großes Interesse und fand eine entsprechende Presseresonanz. Sie wurde wegen ihres großen Erfolgs in der Sommerzeit erneut für zwei Monate gezeigt und im Herbst durch eine Kabinettausstellung mit Fotographien eines heutigen römischen Stadtteils – des Pigneto – ergänzt sowie von einem Vortrag des Journalisten Pierluigi Panza und zwei Abenden mit dem römischen Komiker Stefano Vigilante begleitet.

Daran schloss sich die in Kooperation mit der Kunstsammlung der Berliner Akademie der Künste erarbeitete Ausstellung „Mit Licht gezeichnet. Das Amalfi-Skizzenbuch von Carl Blechen“ an. Diese von Mareike Hennig kuratierte Ausstellung, die zuvor in der Hamburger Kunsthalle und der Alten Nationalgalerie Berlin gezeigt worden war, war ohne Zweifel eine der herausragenden Ausstellungen, die die Casa di Goethe seit ihrer Eröffnung 1997 gezeigt hat. Blechens einzigartiges Konvolut von Skizzenbuchblättern seiner Reise an die Amalfi-Küste wurde erstmals vollständig präsentiert. Die Ausstellung, die mit verlängerten Öffnungszeiten während der Europäischen Nacht der Museen im Mai und einer „Blechennacht“ im Juli besonders vom römischen Publikum wahrgenommen wurde, stieß auf großes Interesse beim Fachpublikum, bei der breiten Öffentlichkeit und in der Presse. Ergänzend zum umfangreichen deutscher Katalog, den die Kunstsammlung der AdK verantwortet hat, hat die Casa di Goethe eine italienischsprachige Publikation herausgegeben.

Zum Auftakt des Kleist-Jahres zeigten wir schließlich im Herbst in Zusammenarbeit mit dem Kleist-Museum Frankfurt/Oder die Ausstellung „Auf den Knieen meines Herzens. Kleist trifft Goethe“, zu der ein zweisprachiger Katalog erschien, der die unterschiedlichen Lebenswege der beiden Dichter und ihr komplexes Verhältnis thematisiert sowie Kleists imaginäres Italienbild und die Rezeption seines Werkes in Italien beleuchtet. Begleitet wurde die Ausstellung, die von Barbara Gribnitz kuratiert wurde, von zahlreichen Veranstaltungen: Vorträgen von Stefania Sbarra und Giovanni Sampaolo zum Thema „Kleist incontra Goethe e l´Italia“, einer von Patrizzia Peresso und Marta Tibaldi kuratierten Vortags- und Gesprächsreihe mit Psychologen, einer Lese- und Schreibwerkstatt mit Studenten der Universität La Sapienza unter der Leitung von Camilla Miglio und einer szenischen Lesung des Findling in italienischer Sprache mit Susanna Marcomeni und Alarico Salaroli.

Die bis Februar in der Casa di Goethe gezeigte Ausstellung „Michael Ende in Italien“, die zum Abschluss von zwei Veranstaltungen begleitet wurde - durch einen Abend mit dem Komponisten Wilfried Hiller, der als Stipendiat der Villa Massimo Ende der 70er Jahre Ende kennengelernt und mit ihm zusammengearbeitet hatte, und eine Film-Reihe im Goethe-Institut -, war im Anschluss in einer reduzierten Form an weiteren vier Orten in Italien zu sehen: in Venedig und Verona mit jeweils einer Einführung durch Roman Hocke, den Kurator der Ausstellung, sowie in Malcesine und Perugia mit Einführungen durch Dorothee Hock bzw. Renata Crea, Mitarbeiterinnen der Casa di Goethe. In Italien ist das Interesse an Michael Ende groß bzw. konnte durch Ausstellung und Katalog erneut geweckt werden. Auch für 2011 gibt es bereits Anfragen auf Übernahme an weiteren Orten Italiens.

 

Besonders erfolgreich waren die museumspädagogischen Programme, vor allem das Faust-Projekt für Schüler mit über 500 Teilnehmern allein in Rom. Es basiert auf dem 2009 von der Casa di Goethe produzierten Film Faust chi? von Marco Maltauro und schließt neben der Filmvorführung eine Einführung in Goethes Faust I und eine Führung durch die Dauerausstellung ein. Dieses von Dorothee Hock und Renata Crea betreute Programm wurde auch in Venedig, Castiglioncello, Ravenna und Brescia mit großem Erfolg durchgeführt. Auch die von Luca Farulli angebotenen Schüler- und Studentenworkshops zu Goethes vor 200 Jahren erschienenen Farbenlehre stießen ebenso wie die regelmäßig durchgeführten Führungen durch die Dauer- und Wechselausstellung auf großes Interesse.

In der Casa di Goethe fanden auch 2010 zahlreiche Lesungen statt: Den Auftakt bildete eine in Zusammenarbeit mit der Botschaft beim Heiligen Stuhl organisierte Lesung mit Nora Bossong aus ihrem im Diplomatenmilieu in Italien spielenden Roman Webers Protokoll. Im Frühjahr waren traditionsgemäß die Schriftsteller-Stipendiaten der Villa Massimo zu Gast, Marcel Beyer und Kathrin Schmidt. Im November gab es eine deutsch-italienische Lesung mit Gustav Seibt und Monica Lumachi aus Goethe und Napoleon, begleitet von einem Gespräch zwischen dem SZ-Journalisten Seibt und Arnold Esch, dem ehemaligen Direktor des Deutschen Historischen Instituts. In Zusammenarbeit mit dem Schweizer Kulturinstitut hat die Casa di Goethe zu einer Lesung und einem Gespräch mit Ilma Rakusa eingeladen, die aus ihrem mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichneten Buch Mehr Meer las.

Zahlreiche deutschsprachige Vorträge bereicherten das Programm: Bernhard Fischer, Direktor des Goethe-und-Schiller-Archivs in Weimar, sprach über den Briefwechsel zwischen Goethe und Cotta, der Buch-Autor und FAZ-Mitarbeiter Martin Kämpchen über Goethe und Tagore, Bernd Witte von der Universität Düsseldorf über Heine und das Judentum, Gerhard Lauer von der Universität Göttingen über Goethes Indien und der Berliner Germanist und Kulturwissenschaftler Norbert Miller über Franz Lehnbach und den Titusbogen.

Dass die italienischen Germanisten die Casa di Goethe längst auch als ihr Haus, ihre Casa ansehen, zeigen zahlreiche Veranstaltungen. Anlässlich der „Giornata della Memoria“ organisierte Marino Freschi im Januar eine Diskussionsrunde zum Thema „Essere ebrei, essere tedeschi“. Gemeinsam mit Giorgio Manacorda präsentierte er im März die Publikation Faust in Italia von Paola del Zoppo, mit Antonio Vitolo im Mai die von Giovanni Sampaolo neu herausgegebene italiensche Ausgabe von Goethes Der Mann von fünfzig Jahren und mit Grazia Pulvirenti die Publikation Karl Philipp Moritz von Renata Gambino. Ursula Bavaj kuratierte eine Vortragsreihe zum Thema „Il ritorno delle buone maniere“ mit Beiträgen von Prinz Asfa-Wossen Asserate zum Thema „Sitten und Werte im 21. Jahrhundert“, von Vanda Perretta über den Freiherr Carl Friedrich von Rumohr und einem eigenen Beitrag „Il bon ton capitalista e l`etica socialiste negli anni `50“. In einer Gesprächsrunde mit Giuseppe Dolei, Anna Maria Carpi und Lucia Perrone Capano ging es um die Exil-Erfahrungen in der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts. Und schließlich präsentierten Massimo Bonifazio und Giusi Zansai die Giuseppe Dolei gewidmete Festschrift Tra denuncia e utopia.

2010 war die Casa di Goethe mit in Kooperation mit zahlreichen Partnern durchgeführten Veranstaltungen auch außerhalb des eigenen Hauses präsent. Neben den bereits erwähnten Veranstaltungen und Ausstellungen müssen hier noch drei Tagungen genannt werden, die von Marino Freschi kuratierte Tagung im Teatro India über Emilia Galotti von Lessing sowie die von Antonella Gargano, Christine Koschel und Inge von Weidenbaum organisierte Tagung „Ingeborg Bachmann und Paul Celan“ im Istituto Italiano di Studi Germanici. Außerdem war die Casa di Goethe zusammen mit dem Zweigverein Rom der Gesellschaft für deutsche Sprache Mitveranstalter der von Sandro Moraldo kuratierten Tagung „Die nationale und internationale Stellung der deutschen Sprache“ in Mailand.

Erstmals haben wir ein viermonatiges Programmheft erstellt, das den Interessierten nicht nur eine längere Vorschau auf das Programm ermöglicht, sondern auch Kosten spart. Weitere Einsparungen konnten dadurch erzielt werden, dass Referenten, Kuratoren und Gäste in der neu erworbenen, noch nicht renovierten Wohnung untergebracht werden konnten und zahlreiche Veranstaltungen von Kooperationspartnern mitfinanziert wurden.

Zusätzlich zu den beiden Ausstellungskatalogen wurde der Dauerkatalog der Casa di Goethe (die deutsche und die italienische Ausgabe) in einer zweiten ergänzten Auflage neu gedruckt. Neu aufgenommen wurden hier Innen- und Außenansichten der Casa di Goethe des Kölner Fotografen Martin Claßen. Außerdem wurde die Homepage der Casa di Goethe modernisiert, der Newsletter wird nun direkt über die Homepage abgewickelt.

Dass dieses umfangreiche Programm neben der Betreuung der Baumaßnahme durchgeführt werden konnte, verdankt sich der tatkräftigen und bewährten Mitarbeit von Renata Crea, Susanne Dietz, Dorothee Hock und Domenico Matilli. Vor allem ihnen danke ich sehr herzlich wie auch unseren Praktikanten und Praktikantinnen, die uns 2010 unterstützt haben: Marian Zabel, Sebastian Polmans, Nikola Rischitsch, Zora Block, Daniela Koch, Carolin Wagner, Nikolas Cimiotti, Anne Maria Ewen und dem Schülerpraktikanten der Deutschen Schule Rom Livio Prati.

Rom, im April 2010

Ursula Bongaerts, Leiterin der Casa di Goethe

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